← Zurück zu allen Artikeln

Google Ads Remarketing: Besucher zurueckgewinnen

Kampagnentypen19 Min. Lesezeit

Google Ads Remarketing: Besucher zurueckgewinnen

Nur 2-3% der Website-Besucher konvertieren beim ersten Besuch. Was passiert mit den anderen 97%? Ohne eine Remarketing-Strategie verlieren Sie diese potenziellen Kunden für immer. Google Ads Remarketing gibt Ihnen die Moeglichkeit, diese Besucher erneut anzusprechen und sie zurück zu Ihrer Website zu holen – genau dann, wenn sie bereit sind zu kaufen.

Remarketing ist eine der effektivsten Werbeformen mit durchschnittlichen Conversion-Raten, die 2-3x höher liegen als bei normalen Display-Kampagnen. Der Grund ist einfach: Sie sprechen Menschen an, die bereits Interesse gezeigt haben. Sie kennen Ihre Marke, haben Ihr Produkt gesehen und brauchen oft nur einen zusaetzlichen Impuls, um zu konvertieren.

In diesem umfassenden Guide erfahren Sie, wie Sie Remarketing bei Google Ads einrichten, verschiedene Remarketing-Strategien implementieren und Ihre Kampagnen optimieren. Dieser Artikel basiert auf bewaehrten Praktiken aus Google Ads Kampagnentypen und wird regelmaessig aktualisiert.

Was ist Remarketing?

Remarketing (auch Retargeting genannt) ist eine Werbestrategie, bei der Sie Anzeigen an Nutzer ausspielen, die bereits mit Ihrer Marke interagiert haben. Diese Interaktion kann ein Website-Besuch, App-Nutzung, Video-Aufruf oder sogar ein Offline-Kontakt sein.

Definition

Bei Google Ads funktioniert Remarketing über Cookies und Tracking-Pixel. Wenn jemand Ihre Website besucht, wird ein Cookie in seinem Browser gesetzt (mit seiner Zustimmung durch Cookie-Banner). Dieser Cookie identifiziert den Nutzer als Teil Ihrer Remarketing-Liste. Später, wenn dieser Nutzer andere Websites besucht, YouTube Videos ansieht oder durch Google Suche navigiert, kann Google Ihre Remarketing-Anzeigen ausspielen.

Der entscheidende Vorteil: Sie investieren Werbebudget in Menschen, die bereits Interesse signalisiert haben. Jemand, der Ihren Online-Shop besucht und ein Produkt angesehen hat, ist deutlich wertvoller als ein voellig kalter Nutzer. Die Wahrscheinlichkeit einer Conversion ist messbar höher, was zu besserem ROI fuehrt.

Remarketing funktioniert über mehrere Google-Plattformen:

  • Display-Netzwerk (Banner auf Millionen Websites)
  • YouTube (Video-Anzeigen)
  • Suchnetzwerk (RLSA – dazu später mehr)
  • Gmail
  • Google Discover Feed

Die Kunst liegt darin, die richtige Botschaft zur richtigen Zeit an die richtige Person zu senden. Jemand, der gerade Ihren Produktkatalog durchstoebert hat, braucht eine andere Anzeige als jemand, der vor drei Wochen Ihren Blog gelesen hat.

Warum Remarketing?

Die Zahlen sprechen für sich. Remarketing-Kampagnen erreichen typischerweise:

  • 2-3x hoehere Conversion-Raten als normale Display-Kampagnen
  • 50-60% niedrigere Cost-per-Acquisition
  • 10x hoehere Click-Through-Rates
  • Deutlich bessere Brand Recall (Markenerinnerung)

Der psychologische Effekt: Menschen müssen eine Marke durchschnittlich 7-mal sehen, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen (Rule of 7 im Marketing). Remarketing stellt sicher, dass Sie diese wiederholten Touchpoints schaffen, ohne dass der Nutzer aktiv nach Ihnen suchen muss.

Der Timing-Vorteil: Viele Nutzer verlassen Websites nicht weil sie uninteressiert sind, sondern weil sie abgelenkt wurden, mehr Research machen wollten oder noch nicht bereit waren. Remarketing holt sie zurück, wenn die Zeit reif ist.

Budget-Effizienz: Statt teures Budget für kalte Akquise auszugeben, fokussieren Sie auf bereits qualifizierte Interessenten. Dies macht Remarketing zu einem der kosteneffizientesten Kanaele in vielen Marketing-Mixen.

Remarketing vs. Retargeting

Die Begriffe werden oft synonym verwendet, technisch gibt es jedoch einen Unterschied:

Remarketing bezieht sich traditionell auf E-Mail-basierte Ansprache. Sie sammeln E-Mail-Adressen und senden Follow-up-Mails an Interessenten oder ehemalige Kunden.

Retargeting meint primaer cookie-basierte Anzeigen-Auslieferung – genau das, was wir bei Google Ads machen.

In der Praxis verschwimmen die Grenzen. Google nennt es offiziell "Remarketing", obwohl es technisch Retargeting ist. Die meisten Marketer nutzen beide Begriffe austauschbar. In diesem Artikel verwenden wir "Remarketing" im Sinne von Google Ads Remarketing-Kampagnen.

Arten von Remarketing

Google Ads bietet verschiedene Remarketing-Typen für unterschiedliche Ziele und Anwendungsfaelle. Die Wahl des richtigen Typs haengt von Ihrem Geschaeftsmodell, verfuegbaren Daten und Marketingzielen ab.

Standard Remarketing

Dies ist die klassische Form: Sie zeigen Display-Anzeigen an fruehere Website-Besucher, während sie andere Websites im Google Display-Netzwerk besuchen. Standard Remarketing ist einfach einzurichten und funktioniert für fast jedes Geschäft.

Sie erstellen Remarketing-Listen basierend auf URL-Besuchen. Beispiele:

  • Alle Website-Besucher der letzten 30 Tage
  • Besucher bestimmter Produktseiten
  • Nutzer, die eine bestimmte Seite besucht aber nicht konvertiert haben
  • Blog-Leser
  • Menschen, die mindestens 3 Seiten angesehen haben

Zu jeder Liste können Sie spezifische Anzeigen schalten. Ein Besucher Ihrer Preisseite erhaelt andere Botschaften als jemand, der nur Ihren Blog gelesen hat. Diese Segmentierung erlaubt personalisierte Kommunikation auf Skalierung.

Standard Remarketing funktioniert am besten für:

  • Markenbekanntheit staerken
  • Top-of-Mind Praesenz aufrechterhalten
  • Allgemeine Angebote bewerben
  • Traffic zurück zur Website bringen

Dynamisches Remarketing

Die fortgeschrittene Version von Standard Remarketing zeigt nicht nur generische Anzeigen, sondern dynamisch generierte Anzeigen mit exakt den Produkten, die der Nutzer angesehen hat. Dies ist besonders maechtig für E-Commerce.

Wenn ein Nutzer auf Ihrer Website ein rotes Kleid, blaue Schuhe und eine schwarze Tasche angeschaut hat, zeigt dynamisches Remarketing ihm später Anzeigen mit genau diesen Produkten – inklusive aktuellem Preis und Verfuegbarkeit. Dies geschieht vollautomatisch durch die Verbindung Ihres Produktfeeds mit Remarketing-Listen.

Die Personalisierung fuehrt zu dramatisch hoeheren Conversion-Raten. Nutzer sehen nicht irgendwelche Produkte Ihrer Marke, sondern genau das, wofür sie bereits Interesse gezeigt haben. Die Relevanz ist maximal.

Voraussetzungen:

  • Google Merchant Center Account mit Produktfeed
  • Remarketing-Tag auf allen Seiten
  • Dynamische Parameter im Tag für Produkt-IDs
  • Mindestens 100 aktive Nutzer in der Remarketing-Liste

Dynamisches Remarketing ist ideal für:

  • E-Commerce mit grossen Sortimenten
  • Online-Reisebucher (Fluge, Hotels)
  • Immobilien-Websites
  • Autohaendler mit Fahrzeug-Inventar

Video Remarketing

Video Remarketing nutzt YouTube als Plattform. Sie können Remarketing-Listen basierend auf YouTube-Interaktionen erstellen und Video-Anzeigen an diese Nutzer ausspielen.

Moegliche Listen:

  • Nutzer, die Ihre YouTube-Videos angesehen haben
  • Kanalabonnenten
  • Menschen, die bestimmte Videos geliked oder kommentiert haben
  • Nutzer, die Anzeigen auf YouTube angesehen haben

Sie können auch kombinieren: Website-Besucher + YouTube-Nutzer für hoehere Engagement-Wahrscheinlichkeit.

Video Remarketing ist effektiv für:

  • Content-Creators und Influencer
  • Marken mit starker YouTube-Praesenz
  • Produkt-Launches mit Video-Content
  • Storytelling-basiertes Marketing

Die Formate sind die gleichen wie bei normalen YouTube Ads – Skippable In-Stream, Non-Skippable, Bumper Ads etc. Der Unterschied: Sie erreichen ein qualifiziertes Publikum, das bereits mit Ihrem Content interagiert hat.

RLSA (Remarketing Lists for Search Ads)

Eine besonders clevere Remarketing-Variante: RLSA erlaubt es Ihnen, Ihre Suchnetzwerk-Kampagnen anzupassen, wenn jemand aus Ihrer Remarketing-Liste danach sucht.

Sie können:

  • Gebote erhoehen für fruhere Website-Besucher bei relevanten Suchanfragen
  • Auf breitere, generischere Keywords bieten (die normalerweise zu teuer waeren)
  • Spezifische Anzeigentexte für Remarketing-Listen zeigen
  • Nur auf Remarketing-Listen bieten (Search Ads nur für fruehere Besucher)

Beispiel: Normalerweise bieten Sie nicht auf das generische Keyword "Schuhe" (zu teuer, zu unspezifisch). Mit RLSA können Sie darauf bieten, aber nur wenn der Suchende bereits Ihren Online-Shop besucht hat. Diese Person kennt Sie bereits und ist wahrscheinlicher zu konvertieren, was ein hoeheres Gebot rechtfertigt.

RLSA kombiniert das Beste aus beiden Welten: Die hohe Intent von Suchanzeigen mit der Qualifizierung durch Remarketing. Die Conversion-Raten sind typischerweise 2-3x höher als bei normalen Search Ads.

Customer Match

Customer Match erlaubt es Ihnen, Ihre eigene Kundendatenbank hochzuladen und diese Kunden über Google zu erreichen. Sie laden E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder Adressen hoch, und Google matcht diese mit eingeloggten Google-Nutzern.

Anwendungsfaelle:

  • E-Mail-Abonnenten erneut ansprechen
  • Ehemalige Kunden reaktivieren
  • VIP-Kunden mit speziellen Angeboten targeten
  • Lookalike Audiences basierend auf Ihren besten Kunden erstellen

Der Vorteil: Sie nutzen Erstpartei-Daten (Ihre eigenen Kundendaten), nicht nur Website-Verhalten. Dies erlaubt Targeting basierend auf Kaufhistorie, Kundenwert oder anderen CRM-Attributen.

Wichtig: Google matcht die Daten anonymisiert und hasht alle Informationen. Sie sehen nie individuelle Nutzer, nur aggregierte Listen. Datenschutz-Richtlinien müssen strikt eingehalten werden – Nutzer müssen der Verwendung ihrer Daten zugestimmt haben.

Remarketing einrichten

Die technische Einrichtung von Remarketing erfordert mehrere Schritte. Eine sorgfaeltige Implementation ist entscheidend, damit Ihre Listen korrekt aufgebaut werden und DSGVO-konform sind.

Der erste Schritt ist die Installation des Google Ads Remarketing-Tags auf Ihrer Website. Dieses Tag (ein JavaScript-Code-Snippet) sammelt Daten über Ihre Website-Besucher und fuegt sie zu Remarketing-Listen hinzu.

Tag erstellen: Navigieren Sie in Google Ads zu Tools > Zielgruppenverwaltung > Zielgruppenquellen. Aktivieren Sie "Google Ads Tag" und Sie erhalten ein Code-Snippet. Alternativ können Sie das globale Site Tag nutzen, das auch für Conversion-Tracking verwendet wird.

Tag implementieren: Fuegen Sie den Code im <head>-Bereich aller Seiten Ihrer Website ein. Bei den meisten Content-Management-Systemen (WordPress, Shopify, etc.) gibt es Plugins oder Integrationen, die dies vereinfachen. Alternativ nutzen Sie den Google Tag Manager für zentralisierte Tag-Verwaltung.

Für dynamisches Remarketing: Zusätzlich müssen Sie Custom Parameters hinzufuegen, die Produkt-IDs, Werte und Kategorien uebermitteln. Dies erlaubt Google, genau zu wissen, welche Produkte ein Nutzer angesehen hat. Die genaue Implementation haengt von Ihrer E-Commerce-Plattform ab.

DSGVO-Compliance: Kritisch wichtig in der EU: Sie duerfen das Remarketing-Tag erst nach expliziter Cookie-Zustimmung des Nutzers laden. Implementieren Sie ein DSGVO-konformes Cookie-Banner, das Google Ads Cookies unter "Marketing" oder "Werbung" kategorisiert. Laden Sie das Tag nur, wenn der Nutzer zustimmt.

Verifizierung: Testen Sie die Installation mit dem Google Tag Assistant Browser-Plugin oder in den Google Ads Einstellungen unter Zielgruppenquellen. Dort sollte der Status "Tag aktiv, Daten werden empfangen" angezeigt werden.

Remarketing-Listen erstellen

Nachdem das Tag aktiv ist, beginnt Google Daten zu sammeln. Nun erstellen Sie spezifische Listen basierend auf Nutzerverhalten.

Grundlegende Listen:

Alle Website-Besucher: Die breiteste Liste. Erfasst jeden, der Ihre Website besucht. Standardmaessig für 30 Tage (anpassbar bis 540 Tage). Nuetzlich für allgemeine Markenbekanntheit.

Produktseiten-Besucher: Nur Nutzer, die spezifische Produkt- oder Serviceseiten angesehen haben. Diese haben hoehere Kaufabsicht als allgemeine Besucher.

Warenkorbabbrecher: Extrem wertvoll. Menschen, die Produkte in den Warenkorb gelegt, aber nicht gekauft haben. Erstellen Sie eine Liste: URL enthhaelt "/cart" oder "/checkout" UND Nutzer nicht auf "/danke" oder "/bestaetigung".

Converter ausschliessen: Erstellen Sie eine Liste aller Nutzer, die bereits konvertiert haben (Danke-Seite besucht). Diese schliessen Sie aus anderen Listen aus, um Budget-Verschwendung zu vermeiden.

Engagement-basiert: Nutzer, die mindestens X Seiten angesehen oder mindestens X Minuten auf der Website verbracht haben. Diese zeigen hoeheres Interesse.

Zeitbasierte Segmente: Verschiedene Listen für verschiedene Zeitfenster (Besucher der letzten 7 Tage, 30 Tage, 90 Tage). Frischere Besucher konvertieren besser, rechtfertigen also hoehere Gebote.

Erstellung in Google Ads: Tools > Zielgruppenverwaltung > Benutzerdefinierte Zielgruppen > Website-Besucher. Definieren Sie Regeln basierend auf:

  • URL-Bedingungen (enthaelt, gleicht, beginnt mit)
  • Besuchsdauer auf Seite
  • Anzahl besuchter Seiten
  • Datum des Besuchs

Jede Liste muss mindestens 1.000 aktive Nutzer enthalten, um für Display-Kampagnen verwendbar zu sein (100 für Search). Planen Sie also voraus – es kann Tage oder Wochen dauern, bis Listen gross genug sind.

Listenkombinationen

Die wahre Macht liegt im Kombinieren mehrerer Listen. Dies erlaubt hochspezialisierte Segmente.

UND-Kombination: Nutzer müssen in mehreren Listen sein. Beispiel: "Produktseite besucht" UND "Nicht konvertiert" UND "Letzte 7 Tage" = Heisse Leads, die kuerzlich Interesse zeigten aber nicht kauften.

ODER-Kombination: Nutzer sind in mindestens einer Liste. Beispiel: "Produkt A angesehen" ODER "Produkt B angesehen" = Alle Interessenten für diese Produktgruppe.

Ausschluss: Nutzer sind in Liste A aber nicht in Liste B. Beispiel: "Alle Website-Besucher" AUSSER "Konvertierte Nutzer" = Potenzielle Kunden, die noch nicht gekauft haben.

Fortgeschrittene Segmentierung:

  • "Warenkorbabbrecher" AUSSER "Besuch in letzten 48 Stunden" = Nutzer, deren Warenkorbabbruch schon etwas her ist (nicht zu aufdringlich retargeten)
  • "Hochwertige Besucher" (5+ Seiten) UND "Produkt-Interesse" AUSSER "Bestandskunden" = Qualifizierte Leads
  • "Video angesehen" UND "Website besucht" = Multi-Touchpoint Nutzer mit hohem Engagement

Kampagne erstellen

Mit aktiven Listen können Sie nun Remarketing-Kampagnen erstellen. Je nach Ziel wählen Sie verschiedene Kampagnentypen.

Für Display Remarketing: Erstellen Sie eine neue Display-Kampagne. Unter Zielgruppen fuegen Sie Ihre Remarketing-Listen hinzu. Wählen Sie "Targeting" (nur diese Listen) nicht "Observation" (alle, mit Einblick in Listen-Performance).

Erstellen Sie responsive Display-Anzeigen oder laden Sie Bild-Banner hoch. Die Botschaft sollte Remarketing-spezifisch sein: "Willkommen zurück!", "Vergessen Sie nicht...", "Exklusives Angebot für Sie", "Noch verfügbar!".

Nutzen Sie Frequency Capping (max. 5-10 Impressionen pro Nutzer pro Tag), um nicht aufdringlich zu wirken.

Für RLSA (Search Remarketing): Oeffnen Sie eine bestehende Suchnetzwerk-Kampagne oder erstellen Sie eine neue. Unter Zielgruppen fuegen Sie Remarketing-Listen hinzu. Wählen Sie "Observation" um Listen als Bid Modifier zu nutzen, oder "Targeting" um nur auf diese Listen zu bieten.

Setzen Sie Bid Adjustments: +30% bis +200% für wertvolle Listen wie Warenkorbabbrecher oder Produktseiten-Besucher. Dies rechtfertigt sich durch die hoehere Conversion-Wahrscheinlichkeit.

Erwaegen Sie separate Anzeigengruppen mit Remarketing-spezifischen Anzeigentexten für maximale Relevanz.

Für dynamisches Remarketing: Aehnlich wie Display, aber wählen Sie "Dynamische Anzeigen" und verknuepfen Sie Ihre Merchant Center Feed. Google generiert automatisch Anzeigen mit den spezifischen Produkten, die jeder Nutzer angesehen hat.

Remarketing-Strategien

Effektives Remarketing geht über das blosse Anzeigen von Ads an fruehere Besucher hinaus. Strategische Segmentierung und personalisierte Botschaften maximieren Ihre Conversion-Raten.

Warenkorbabbrecher

Die wertvollste Remarketing-Zielgruppe: Menschen, die Produkte in den Warenkorb gelegt, aber nicht gekauft haben. Die Kaufabsicht ist klar, etwas hat sie nur im letzten Moment gestoppt.

Haeufige Abbruch-Gruende:

  • Hohe Versandkosten (erst im Checkout sichtbar)
  • Unerwartete Zusatzkosten (Steuern, Gebuehren)
  • Komplizierter Checkout-Prozess
  • Ablenkung oder Zeitdruck
  • Vergleich mit Konkurrenz
  • Fehlende Zahlungsmethode

Remarketing-Strategie: Schalten Sie spezifische Anzeigen, die diese Einwaende adressieren:

  • "Kostenloser Versand ab 50 EUR!" (wenn Versandkosten das Problem waren)
  • "15% Rabatt – nur heute!" (Incentive zum Abschluss)
  • "Ihre Artikel warten noch im Warenkorb" (Reminder)
  • "Express-Checkout in unter 2 Minuten" (Convenience betonen)

Timing: Starten Sie Remarketing 1-2 Stunden nach Warenkorbabbruch (schneller Follow-up für frisches Interesse) und intensivieren Sie es in den ersten 48 Stunden. Nach einer Woche reduzieren Sie Frequency, um nicht aufdringlich zu wirken.

Dynamisches Remarketing: Zeigen Sie exakt die Produkte, die im Warenkorb waren, mit aktuellem Preis. Dies personalisiert die Botschaft maximal.

Warenkorbabbrecher-Remarketing erzielt oft 3-5x hoehere Conversion-Raten als generelles Remarketing und sollte Ihre hoechsten Gebote rechtfertigen.

Cross-Selling

Remarketing an bestehende Kunden mit komplementaeren Produkten. Statt nur zu reaktivieren, erhoehen Sie den Customer Lifetime Value durch zusaetzliche Verkaeufe.

Strategie: Basierend auf Kaufhistorie (oder angesehenen Produkten) zeigen Sie verwandte Artikel:

  • Kamera gekauft → Zeige Objektive, Stative, Speicherkarten
  • Laufschuhe gekauft → Zeige Sport-Bekleidung, Fitness-Tracker
  • Software-Lizenz gekauft → Zeige Upgrades, Add-ons, Schulungen

Implementation: Nutzen Sie Customer Match oder dynamisches Remarketing mit intelligenten Produkt-Recommendations. Viele E-Commerce-Plattformen bieten "Haaeufig zusammen gekauft" oder "Kunden kauften auch"-Daten, die Sie in Ihren Feed integrieren können.

Botschaft: "Perfekt zu Ihrem [gekauftes Produkt]", "Vervollstaendigen Sie Ihr Set", "Kunden wie Sie liebten auch...". Betonen Sie die Komplementaritaet, nicht den puren Verkauf.

Cross-Selling-Remarketing hat typischerweise niedrigere Conversion-Raten als Warenkorbabbrecher-Targeting, aber hoehere Average Order Values. Es eignet sich besonders für:

  • E-Commerce mit vielen SKUs
  • Produktoekosysteme (Technik, Sport)
  • Abo-basierte Dienste (Upgrades)

Up-Selling

Aehnlich wie Cross-Selling, aber Sie bieten eine Premium-Version oder ein Upgrade des bereits gekauften (oder betrachteten) Produkts an.

Szenarien:

  • Basis-Software-Plan gekauft → Zeige Premium-Features
  • Budget-Produkt angesehen → Zeige hoeherwertiges Modell
  • Einmaliger Kauf → Zeige Abo-Option mit Rabatt
  • Kleines Paket gekauft → Zeige Bulk-Optionen mit besserem Unit-Preis

Wertversprechen kommunizieren: Erklären Sie den Mehrwert: "3x schneller", "Inklusive Premium-Support", "Sparen Sie 30% mit dem Jahresabo". Der Preisunterschied muss gerechtfertigt sein durch klare Benefits.

Timing ist kritisch: Unmittelbar nach einem Kauf sind Kunden oft offen für Upgrades (Moment der Commitment). Aber warten Sie nicht zu lang – nach ein paar Tagen sinkt die Bereitschaft.

Up-Selling funktioniert am besten bei:

  • SaaS und Software (Plan-Upgrades)
  • Abonnements (laengere Laufzeiten)
  • Konfigurierbaren Produkten (Premium-Optionen)

Reaktivierung

Langfristiges Remarketing für Nutzer, die lange nicht mehr interagiert haben. Ziel ist es, schlafende Kontakte wieder zu aktivieren.

Segmente:

  • Ehemalige Kunden, die seit 6+ Monaten nicht gekauft haben
  • Website-Besucher, die seit Wochen nicht zurueckgekehrt sind
  • E-Mail-Abonnenten ohne Engagement

Taktiken:

  • Exklusive "Willkommen zurück"-Rabatte
  • "Vermissen Sie uns?" emotionale Ansprache
  • "Neu seit Ihrem letzten Besuch" Content-Updates
  • Personalisierte Empfehlungen basierend auf altem Verhalten

Erwartungen managen: Reaktivierungs-Remarketing hat niedrigere Erfolgsraten als frisches Remarketing. Setzen Sie nicht zu hohe Budgets an. Es ist eher ein "Nice-to-have" zusätzlich zu Ihren Kern-Remarketing-Strategien.

Nutzen Sie niedrige Gebote und breite Reichweite (guenstiges CPM statt teure Klicks), da das primaere Ziel oft Brand Awareness ist, nicht sofortige Conversion.

Best Practices

Erfolgreiches Remarketing folgt bewaehrten Prinzipien, die verhindern, dass Ihre Anzeigen als stoerend empfunden werden und stattdessen als hilfreich und relevant wahrgenommen werden.

Frequency Capping

Niemand möchte dieselbe Anzeige 50 Mal am Tag sehen. Frequency Capping begrenzt, wie oft ein Nutzer Ihre Anzeigen sieht, und ist entscheidend für positive User Experience.

Empfohlene Limits:

  • Display-Remarketing: 5-8 Impressionen pro Nutzer pro Tag
  • Video-Remarketing: 2-3 Anzeigen pro Tag
  • Höher für zeitkritische Angebote (Flash Sales: 10-15/Tag)
  • Niedriger für lange Kaufzyklen (B2B: 2-3/Tag)

Setzen Sie auch Gesamt-Caps für Kampagnen-Laufzeit. Wenn jemand nach 100 Impressionen nicht konvertiert hat, wird es Zeit aufzugeben. Typisch: 50-100 Impressionen über die gesamte Remarketing-Periode.

Implementation: In Display-Kampagnen unter Einstellungen > "Frequency Management". Definieren Sie Impressions pro Tag, Woche oder Monat.

Zu viele Impressionen fuehren zu:

  • Banner Blindness (Nutzer ignorieren aktiv Ihre Ads)
  • Negative Markenwahrnehmung (als aufdringlich empfunden)
  • Verschwendetes Budget (weitere Impressionen bringen keine zusaetzlichen Conversions)

Ausschluesse nutzen

Nicht jeder in Ihrer Remarketing-Liste sollte Anzeigen sehen. Strategische Ausschluesse sparen Budget und verbessern Relevanz.

Bestandskunden ausschliessen: Wenn Sie Akquisitions-Kampagnen schalten, excludieren Sie Nutzer, die bereits gekauft haben. Kein Grund, jemandem das gleiche Produkt nochmal zu bewerben (es sei denn, es ist ein wiederkehrender Kauf).

Erstellen Sie eine "Converter"-Liste (Danke-Seiten-Besucher) und fuegen Sie diese als Ausschluss zu Ihren Akquisitions-Remarketing-Kampagnen hinzu.

Zeitbasierte Ausschluesse: Schliessen Sie sehr alte Besucher aus. Jemand, der vor 6 Monaten Ihre Website besucht hat, ist wahrscheinlich nicht mehr interessiert. Fokussieren Sie auf frische Besucher (letzten 30-90 Tage).

Bereits exponierte Nutzer: Wenn Sie mehrere Remarketing-Kampagnen haben (z.B. allgemeines Remarketing + Warenkorbabbrecher), schliessen Sie spezifischere Segmente aus allgemeinen aus. Warenkorbabbrecher sollten nur Warenkorbabbrecher-Anzeigen sehen, nicht auch generisches Remarketing.

Negative Placements: Schliessen Sie ungeeignete Websites oder App-Kategorien aus. Im Display-Netzwerk gibt es viele Low-Quality-Sites. Reviewen Sie regelmaessig Platzierungs-Berichte und excludieren Sie Sites mit hohen Impressionen aber keinen Conversions.

Personalisierte Anzeigen

Generic "Besuchen Sie uns wieder"-Anzeigen verschwenden das Potenzial von Remarketing. Personalisierung basierend auf gezeigtem Verhalten steigert Relevanz dramatisch.

Segmentspezifische Creatives: Jedes Segment braucht eigene Anzeigen:

  • Warenkorbabbrecher: "Ihr Warenkorb wartet! Jetzt 10% sparen"
  • Produktseiten-Besucher: "Immer noch interessiert an [Produkt]?"
  • Blog-Leser: "Mehr erfahren über [Thema]"
  • Ehemalige Kunden: "Willkommen zurück! Exklusive Treue-Rabatte"

Dynamische Elemente: Bei dynamischem Remarketing werden Produktbilder, Namen und Preise automatisch personalisiert. Nutzen Sie dies maximal – zeigen Sie nie generische Produktkataloge wenn Sie spezifische Produkte zeigen können.

Countdown-Timer: Für zeitkritische Angebote nutzen Sie Countdown-Anzeigen. "Noch 3 Stunden: 20% auf Ihren Warenkorb" schafft Dringlichkeit.

Personalisierte Landingpages: Leiten Sie Remarketing-Traffic nicht auf die Homepage, sondern auf relevante Seiten:

  • Warenkorbabbrecher → direkt zum Warenkorb (mit Discount-Code vorausgefuellt)
  • Produktinteressenten → Produkt-Detailseite
  • Content-Konsumenten → verwandter Content oder Ressource

Die Kombination aus personalisierter Anzeige + personalisierter Landingpage maximiert Conversion-Raten.

Datenschutz beachten

Remarketing sammelt Nutzerdaten und muss DSGVO-konform implementiert werden. Verstösse können zu erheblichen Bußgeldern fuehren.

Cookie-Zustimmung erforderlich: Sie duerfen Remarketing-Cookies nur nach expliziter Zustimmung setzen. Implementieren Sie ein Cookie-Banner, das:

  • Vor dem Setzen von Cookies erscheint (nicht erst danach)
  • Klare Kategorien zeigt ("Marketing", "Werbung")
  • Ablehnen genauso einfach macht wie Akzeptieren
  • Granulare Kontrolle erlaubt (nur notwendige Cookies vs. alle)

Datenschutzerklaerung: Informieren Sie transparent über Remarketing in Ihrer Datenschutzerklaerung:

  • Dass Sie Remarketing nutzen
  • Welche Daten gesammelt werden
  • Wie lange Daten gespeichert werden (Cookie-Laufzeit)
  • Wie Nutzer widersprechen können

Opt-Out-Moeglichkeiten: Verlinken Sie Googles Anzeigenvorgaben-Manager, wo Nutzer personalisierte Werbung deaktivieren können.

Sensible Kategorien ausschliessen: Nutzen Sie kein Remarketing für sensible Bereiche:

  • Gesundheitsprobleme
  • Finanzielle Schwierigkeiten
  • Politische Zugehoerigkeit
  • Sexuelle Orientierung

Google verbietet Remarketing für bestimmte Kategorien. Beachten Sie die Richtlinien strikt.

Remarketing ohne Third-Party Cookies

Mit dem geplanten Ende von Third-Party Cookies in Browsern wie Chrome aendert sich die Remarketing-Landschaft. Google bietet bereits Cookie-lose Lösungen.

Privacy Sandbox: Googles Ansatz für datenschutzfreundliches Targeting ohne individuelle Cookies. Nutzer werden anonymen Interessengruppen zugeordnet, basierend auf Browser-History. Werbetreibende können Gruppen targeten, aber keine einzelnen Nutzer identifizieren.

Erstpartei-Daten priorisieren: Customer Match wird wichtiger. Sammeln Sie E-Mail-Adressen und Opt-Ins aktiv:

  • Newsletter-Anmeldungen
  • Account-Erstellungen
  • Loyalty-Programme

Diese Daten gehoeren Ihnen und sind unabhängig von Third-Party Cookies. Sie können diese Nutzer direkt erreichen.

Consent Mode: Googles Consent Mode erlaubt Tracking ohne Cookies, wenn Nutzer zustimmen. Es sendet anonymisierte Signale statt individueller Identifiers. Implementation ist komplex, aber zukunftssicher.

Server-Side Tracking: Verlegen Sie Tracking vom Browser auf Ihren Server. Server-Side Tags sammeln Daten direkt, ohne Browser-Cookies. Dies erfordert technisches Setup, bietet aber mehr Kontrolle und Datenschutz-Compliance.

Die Zukunft von Remarketing liegt in Erstpartei-Daten und datenschutzfreundlichen Technologien. Bereiten Sie sich jetzt vor, indem Sie Newsletter aufbauen, Accounts incentivieren und alternative Tracking-Methoden implementieren.

FAQ

Wie gross müssen Remarketing-Listen sein?

Für Display-Kampagnen mindestens 1.000 aktive Nutzer, für Suchnetzwerk (RLSA) mindestens 1.000 aktive Nutzer. Für Customer Match mindestens 5.000 Nutzer. Kleinere Listen werden nicht ausgespielt. Planen Sie entsprechend – bei wenig Traffic kann es Wochen dauern, bis Listen nutzbar sind.

Wie lange sollte die Cookie-Laufzeit sein?

Standard ist 30 Tage, aber Sie können bis 540 Tage einstellen. Für die meisten Geschaefte sind 30-90 Tage optimal. Laengere Zeitraeume bei langen Kaufzyklen (B2B, Immobilien, Autos). Kuerzere bei schnelllebigen Produkten (Fashion, Elektronik).

Sind Remarketing-Anzeigen nervig für Nutzer?

Nur wenn falsch implementiert. Mit Frequency Capping, Ausschluss von Convertern und relevanten Botschaften ist Remarketing hilfreich statt stoerend. Studies zeigen, dass Nutzer Remarketing-Anzeigen als relevanter empfinden als normale Display-Ads.

Was kostet Remarketing?

CPCs im Display-Remarketing liegen typischerweise 50-70% niedriger als bei kalten Kampagnen (0.20-0.60 EUR). CPMs sind ebenfalls guenstig (1-3 EUR). Die hoeheren Conversion-Raten machen Remarketing zu einem der kosteneffizientesten Kanaele. Budget-Empfehlung: Mindestens 10-20% Ihres gesamten Google Ads Budgets.

Kann ich Remarketing ohne Website nutzen?

Ja, mit Video Remarketing (YouTube-Interaktionen) oder Customer Match (E-Mail-Listen). Aber Website-basiertes Remarketing ist am maechtigsten, da Sie praezise Verhaltens-Segmente erstellen können.

Warum sehe ich meine eigenen Remarketing-Anzeigen?

Sie sind wahrscheinlich in Ihrer eigenen Remarketing-Liste, weil Sie Ihre Website besuchen. Fuegen Sie Ihre IP-Adresse als Ausschluss hinzu oder nutzen Sie Google Ads Preview Tool statt echter Suchen. Ihre eigenen Klicks werden nicht berechnet.

Fazit

Remarketing ist eine der effektivsten Taktiken in Google Ads, mit Conversion-Raten und ROI, die haeufig andere Kampagnentypen uebertreffen. Der Grund ist simpel: Sie investieren in Menschen, die bereits Interesse gezeigt haben, nicht in kalte Akquise.

Erfolg erfordert strategische Segmentierung, personalisierte Botschaften und strikte Datenschutz-Compliance. Nutzen Sie verschiedene Remarketing-Typen für verschiedene Zwecke: Standard-Remarketing für Brand Awareness, dynamisches Remarketing für E-Commerce, RLSA für hochintensive Suchtraffic, und Customer Match für Ihre wertvollsten Bestandskunden.

Beginnen Sie mit einfachen Listen (alle Besucher, Produktseiten-Besucher, Warenkorbabbrecher) und verfeinern Sie basierend auf Performance-Daten. Implementieren Sie Frequency Capping von Anfang an und schliessen Sie Converter aus. Mit diesen Grundlagen aufgebaut, ist Remarketing ein skalierbarer Kanal, der kontinuierlich Conversions zu niedrigen Kosten generiert.

Kombinieren Sie Remarketing mit anderen Kampagnentypen aus unserem Google Ads Kampagnentypen Guide für eine vollständige Funnel-Strategie, die Nutzer von erster Awareness bis zum Kauf begleitet.

Bereit, Ihre Google Ads zu optimieren?

Lassen Sie uns Ihre Kampagnen professionell betreuen. Transparente Preise, messbare Ergebnisse.

Kostenlose Beratung anfordern