← Zurück zu allen Artikeln

Google Ads für E-Commerce: Der ultimative Guide

Branchen17 Min. Lesezeit

Google Ads für E-Commerce: Der ultimative Guide

Warum Google Ads für E-Commerce?

E-Commerce und Google Ads passen perfekt zusammen. Während Social Media Nutzer unterhalten, die vielleicht gar nicht kaufen wollen, erreichen Sie mit Google Ads Menschen, die bereits aktiv nach Produkten suchen. Der Kaufintent ist da – Sie müssen nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Die Zahlen sprechen für sich: Google Shopping Anzeigen allein generieren für viele Online-Shops 60-80% des bezahlten Traffic. Die durchschnittliche Conversion-Rate liegt bei 1,9% (zum Vergleich: Facebook Ads meist unter 1%). Und die Customer Journey ist kurz – viele Nutzer kaufen am selben Tag.

Warum funktioniert Google Ads so gut für E-Commerce? Erstens: Kaufintent. Wer "rote Damen Sneaker Größe 38" sucht, möchte kaufen, nicht nur stöbern. Zweitens: Visuelle Formate. Shopping-Anzeigen zeigen Produktbild, Preis und Versandkosten – der Nutzer sieht sofort, ob es passt. Drittens: Präzises Tracking. Sie können jeden Euro, den Sie ausgeben, bis zum Verkauf nachverfolgen.

Im Vergleich zu anderen Kanälen bietet Google Ads für E-Commerce einzigartige Vorteile:

  • Höherer Kaufintent als Social Media
  • Bessere Skalierbarkeit als SEO (schnellere Ergebnisse)
  • Präzisere Produktebene-Daten als bei den meisten anderen Plattformen
  • Niedrigere CPAs als Amazon Advertising bei vergleichbarem Volume

Der größte Vorteil: Sie zahlen nur für Klicks. Wenn niemand Ihre Anzeige anklickt, zahlen Sie nichts. Und mit richtigem Setup zahlen Sie nur für Klicks von Menschen, die wahrscheinlich kaufen werden.

Die wichtigsten Kampagnentypen

E-Commerce-Erfolg auf Google Ads basiert auf der richtigen Kombination verschiedener Kampagnentypen. Jeder Typ erfüllt einen anderen Zweck in Ihrem Marketing-Mix.

Google Shopping Kampagnen

Shopping-Kampagnen sind das Herzstück jeder E-Commerce-Strategie. Sie zeigen Produktbilder, Titel, Preis und Ihren Shop-Namen direkt in den Google Suchergebnissen – oberhalb der normalen Textanzeigen.

Es gibt zwei Haupttypen: Standard Shopping und Smart Shopping (jetzt Teil von Performance Max).

Standard Shopping Kampagnen geben Ihnen volle Kontrolle. Sie entscheiden:

  • Welche Produkte beworben werden (Produktgruppen)
  • Wie viel Sie für jede Produktgruppe bieten
  • Wo Anzeigen ausgespielt werden
  • Welche Geräte Sie targeten

Standard Shopping ist ideal zum Lernen. Sie sehen genau, welche Produkte performen, welche Keywords Nutzer eingeben, und können gezielt optimieren.

Strukturierung: Beginnen Sie mit einer Kampagne pro Produktkategorie. Innerhalb jeder Kampagne erstellen Sie Anzeigengruppen nach:

  • Produkttyp (z.B. "Sneaker", "Stiefel", "Sandalen")
  • Marke (z.B. "Nike", "Adidas", "Puma")
  • Preisbereich (z.B. "unter 50 EUR", "50-100 EUR", "über 100 EUR")

Das ermöglicht unterschiedliche Gebote für verschiedene Produktsegmente.

Wann Standard Shopping, wann PMax? Starten Sie mit Standard Shopping, wenn:

  • Sie neu bei Google Ads sind und lernen möchten
  • Sie weniger als 30 Conversions pro Monat haben
  • Sie volle Kontrolle über Gebote möchten
  • Sie spezifische Produkte pushen wollen

Wechseln Sie zu Performance Max (später dazu mehr), wenn:

  • Sie mindestens 50 Conversions pro Monat haben
  • Ihre Standard Shopping Kampagnen gut laufen
  • Sie skalieren möchten mit weniger manuellem Aufwand

Performance Max für E-Commerce

Performance Max (PMax) ist Googles neuestes Kampagnenformat und kombiniert Shopping, Such-, Display-, Video-, Discovery- und Gmail-Anzeigen in einer einzigen Kampagne. Google entscheidet automatisch, wo Ihre Anzeigen ausgespielt werden.

Vorteile von PMax:

  • Zugriff auf alle Google-Kanäle mit einer Kampagne
  • Automatische Optimierung durch Machine Learning
  • Oft niedrigere CPAs bei gleicher Conversion-Anzahl
  • Weniger manueller Aufwand bei der Verwaltung

Nachteile von PMax:

  • Weniger Transparenz (Sie sehen nicht genau, wo Conversions herkommen)
  • Weniger Kontrolle über Gebote und Platzierungen
  • Braucht ausreichend Conversion-Daten für gute Performance (mind. 30-50 pro Monat)
  • Kann mit anderen Kampagnen "kanibalisieren"

Asset Groups und Zielgruppen Bei PMax erstellen Sie "Asset Groups" – Sammlungen von Texten, Bildern, Videos und Produktfeeds. Google kombiniert diese automatisch zu Anzeigen.

Best Practice für Asset Groups:

  • Erstellen Sie eine Asset Group pro Produktkategorie
  • Fügen Sie mindestens 5 Headlines und 5 Descriptions hinzu
  • Laden Sie 5-10 hochwertige Produktbilder hoch
  • Nutzen Sie Videos, wenn möglich (mindestens 10 Sekunden)

Zielgruppensignale helfen Google zu verstehen, wer Ihre idealen Kunden sind. Fügen Sie hinzu:

  • Remarketing-Listen (frühere Website-Besucher)
  • Customer-Match-Listen (E-Mail-Liste)
  • Demografische Merkmale
  • In-Market-Zielgruppen

Wichtig: PMax ersetzt nicht Ihre Shopping-Kampagnen komplett. Viele erfolgreiche Shops nutzen beides parallel.

Search Kampagnen

Normale Suchanzeigen bleiben wichtig, auch wenn Shopping-Anzeigen dominieren. Nutzen Sie Such-Kampagnen für:

Branded Keywords: Schützen Sie Ihren Markennamen. Wenn jemand nach "Ihr-Shop-Name" sucht, möchten Sie die erste Anzeige sein (auch wenn Sie organisch schon auf Platz 1 sind). Branded Kampagnen haben meist sehr niedrige CPCs (0,10-0,30 EUR) und sehr hohe Conversion-Raten (10-30%).

Non-Branded generische Keywords: Produktkategorien und generische Suchbegriffe wie "Damenschuhe online kaufen", "günstige Laptops", "Bio Kaffee bestellen". Diese Keywords konkurrieren mit Shopping-Anzeigen, können aber zusätzlichen Traffic bringen.

Strukturierung: Trennen Sie Branded und Non-Branded in separate Kampagnen. Bei Non-Branded erstellen Sie Kampagnen nach Produktkategorie mit sehr spezifischen Anzeigengruppen.

Beispiel-Struktur:

  • Kampagne: "Search - Schuhe - Non-Branded"
    • Anzeigengruppe: "Sneaker Damen"
    • Anzeigengruppe: "Sneaker Herren"
    • Anzeigengruppe: "Laufschuhe"
    • Anzeigengruppe: "Business Schuhe"

Jede Anzeigengruppe hat 10-20 eng verwandte Keywords und 3-5 Anzeigen mit spezifischem Text.

Dynamic Search Ads

Dynamic Search Ads (DSA) sind perfekt für Shops mit hunderten oder tausenden Produkten. Google crawlt Ihre Website und erstellt automatisch Anzeigen basierend auf Ihrem Content.

Wann DSA nutzen?

  • Sie haben mehr als 500 Produkte
  • Ihr Produktsortiment ändert sich häufig
  • Sie möchten Keywords finden, die Sie noch nicht nutzen

Wann nicht DSA nutzen?

  • Sie haben weniger als 100 Produkte (manuell ist effizienter)
  • Ihre Website-Struktur ist chaotisch
  • Ihre Produktbeschreibungen sind dünn oder von schlechter Qualität

DSA-Setup: Erstellen Sie Targets basierend auf URL-Regeln. Zum Beispiel: alle URLs die "/schuhe/" enthalten gehen in eine Anzeigengruppe, alle mit "/taschen/" in eine andere.

Remarketing

Remarketing ist für E-Commerce nicht optional – es ist Pflicht. 70-80% der Online-Shop-Besucher kaufen beim ersten Besuch nicht. Remarketing gibt Ihnen eine zweite (und dritte, und vierte) Chance.

Cart Abandonment Kampagnen: Targeten Sie Nutzer, die Produkte in den Warenkorb gelegt, aber nicht gekauft haben. Zeigen Sie ihnen genau diese Produkte erneut. Conversion-Raten sind hier oft 3-5x höher als bei Kalt-Traffic.

Produkt-View Remarketing: Nutzer, die spezifische Produkte angeschaut haben, bekommen diese Produkte (oder ähnliche) erneut gezeigt.

Cross-Sell Remarketing: Bestandskunden bekommen Anzeigen für ergänzende Produkte. Wer Laufschuhe gekauft hat, sieht Anzeigen für Laufsocken oder Sportbekleidung.

Time-Based Remarketing: Passen Sie Gebote und Anzeigen basierend auf Zeitpunkt des letzten Besuchs an:

  • 1-3 Tage: Hohe Gebote, direkte Produkt-Anzeigen
  • 4-7 Tage: Mittlere Gebote, eventuell Rabatt-Code
  • 8-30 Tage: Niedrige Gebote, allgemeinere Anzeigen
  • 30+ Tage: Sehr niedrige Gebote oder ausschließen

Nutzen Sie Google Ads Remarketing und Google Analytics Audiences für präzises Targeting.

Kontostruktur für E-Commerce

Die richtige Kontostruktur ist fundamental. Eine gute Struktur macht Optimierung einfach, eine schlechte macht sie unmöglich.

Nach Produktkategorie strukturieren

Die verbreitetste und meist beste Struktur: Eine Kampagne pro Hauptprodukt-Kategorie.

Beispiel: Fashion Shop

  • Kampagne: "Shopping - Damen Oberbekleidung"
  • Kampagne: "Shopping - Damen Schuhe"
  • Kampagne: "Shopping - Herren Oberbekleidung"
  • Kampagne: "Shopping - Herren Schuhe"
  • Kampagne: "Shopping - Accessoires"

Innerhalb jeder Kampagne erstellen Sie Anzeigengruppen für Unterkategorien oder Brands.

Vorteile: Klare Budgetkontrolle pro Kategorie, einfache Performance-Analyse, unterschiedliche Gebote pro Kategorie möglich.

Nach Marge strukturieren

Fortgeschrittene Strategie: Gruppieren Sie Produkte nach Gewinnmarge, nicht nach Produkttyp.

Beispiel:

  • Kampagne: "High-Margin Products" (über 40% Marge)
  • Kampagne: "Medium-Margin Products" (20-40% Marge)
  • Kampagne: "Low-Margin Products" (unter 20% Marge)
  • Kampagne: "Loss Leaders" (Produkte mit negativer oder sehr geringer Marge)

Für hochmargige Produkte können Sie aggressivere Gebote setzen, auch wenn der ROAS niedriger ist – weil der absolute Gewinn höher ist.

Diese Struktur macht besonders Sinn, wenn Sie sehr unterschiedliche Margen im Sortiment haben.

Beispiel-Struktur für 1.000+ Produkte

Großer Shop mit breitem Sortiment? Hier eine bewährte Struktur:

Tier 1: Best Performers (Top 20%)

  • Eigene Kampagne(n) für Ihre umsatzstärksten Produkte
  • Höchste Gebote, meiste Aufmerksamkeit
  • Täglich überwachen und optimieren

Tier 2: Standard Performers (mittlere 60%)

  • Nach Produktkategorie strukturierte Kampagnen
  • Standardgebote, wöchentliche Optimierung

Tier 3: Long Tail (untere 20%)

  • "Catch All" Kampagnen für alles andere
  • Niedrige Gebote, monatliche Checks
  • Eventuell mit DSA kombinieren

Performance Max: Übergreifende PMax-Kampagne, die von allen Produkten lernt

Diese Struktur gibt Ihnen Kontrolle über wichtige Produkte, ohne bei tausenden Produkten den Überblick zu verlieren.

Produktfeed optimieren

Ihr Google Merchant Center Feed ist die Grundlage aller Shopping-Kampagnen. Ein schlechter Feed = schlechte Performance, egal wie gut Ihre Kampagnen aufgesetzt sind.

Titel-Optimierung

Der Produkttitel ist das wichtigste Element im Feed. Google zeigt die ersten 70 Zeichen, also packen Sie die wichtigsten Infos vorne rein.

Best Practice Struktur: [Marke] + [Produkttyp] + [Wichtigstes Attribut] + [Weitere Attribute] + [Farbe] + [Größe]

Beispiele:

  • Schlecht: "Sneaker rot Größe 42"
  • Besser: "Nike Air Max 270 Herren Laufschuh rot weiß Größe 42"
  • Optimal: "Nike Air Max 270 Herren Sneaker Laufschuh React rot weiß Größe 42"

Keywords und Attribute einbauen Recherchieren Sie, nach welchen Keywords Kunden suchen, und bauen Sie diese ein:

  • Nicht nur "Kleid", sondern "Sommerkleid" oder "Cocktailkleid"
  • Nicht nur "Kaffeemaschine", sondern "Kaffeevollautomat" oder "Espressomaschine"
  • Material, Stil, Anlass mit aufnehmen wenn relevant

Wichtig: Titel müssen korrekt und nicht spammig sein. Keyword-Stuffing wird von Google abgestraft.

Beschreibungen verbessern

Die Beschreibung wird seltener angezeigt als der Titel, ist aber trotzdem wichtig für Googles Algorithmus.

Gute Beschreibungen enthalten:

  • Ausführliche Produktdetails (Material, Maße, Gewicht, etc.)
  • Verwendungszweck und Vorteile
  • Wichtige Keywords natürlich integriert
  • Keine Werbetexte ("Jetzt kaufen!", "Beste Qualität!")
  • Keine Preisangaben (die kommen separat)

Viele Shops machen den Fehler, die gleiche generische Beschreibung für ähnliche Produkte zu nutzen. Unique Descriptions performen besser.

Produktbilder

Bilder sind der erste Eindruck. Schlechte Bilder = kaum Klicks.

Anforderungen und Best Practices:

  • Mindestens 800x800 Pixel (empfohlen: 1200x1200 oder höher)
  • Weißer oder transparenter Hintergrund (bei Produktbilder-Feeds)
  • Produkt füllt mindestens 75% des Bildes
  • Kein Wasserzeichen, keine Text-Overlays
  • Professionelle Qualität (gut beleuchtet, scharf, richtige Farben)

Nutzen Sie zusätzliche Bilder (additional_image_link) für verschiedene Perspektiven. Google zeigt diese manchmal in erweiterten Anzeigen.

Fashion-Shops: Zeigen Sie Produkte am Model UND als Freisteller. Beides funktioniert, für unterschiedliche Zielgruppen.

Zusätzliche Attribute

Standard-Attribute (Titel, Beschreibung, Preis, Bild) reichen für Approval. Zusätzliche Attribute verbessern Performance:

GTIN (Global Trade Item Number): Die Barcode-Nummer des Produkts. Pflicht für alle Produkte mit GTIN. Verbessert Produktzuordnung und kann Anzeigen-Visibilität erhöhen.

Marke (brand): Pflicht für alle Markenprodukte. Nutzer filtern oft nach Marken.

Custom Labels: Bis zu 5 eigene Label (custom_label_0 bis custom_label_4) für interne Kategorisierung. Perfekt für:

  • Marge (custom_label_0: "high_margin", "low_margin")
  • Saisonalität (custom_label_1: "summer", "winter", "all_season")
  • Performance (custom_label_2: "bestseller", "new", "clearance")
  • Strategie (custom_label_3: "premium", "budget", "mid_range")

Custom Labels ermöglichen präzise Kampagnenstrukturierung ohne Ihr Produktkategorie-System zu ändern.

Product Type vs. Google Product Category: Product Type ist Ihre eigene Kategorisierung, Google Product Category ist Googles Taxonomie. Füllen Sie beide aus. Product Type nutzen Sie für Kampagnenstruktur, Google Product Category hilft Google, Ihre Produkte richtig einzuordnen.

Feed-Fehler vermeiden

Häufigste Feed-Fehler die Performance ruinieren:

  1. Fehlende GTINs: Wenn Ihre Produkte GTINs haben, müssen Sie diese angeben
  2. Falsche Verfügbarkeit: "In Stock" angeben obwohl ausverkauft → Account-Suspension möglich
  3. Preis-Mismatch: Feed sagt 49,99 EUR, Landing Page zeigt 59,99 EUR → Disapproval
  4. Schlechte Bildqualität: Verpixelte, zu kleine oder unscharfe Bilder
  5. Fehlende Versandkosten: In Deutschland müssen Versandkosten klar angegeben sein
  6. Falsche Landing Pages: Link führt zu Homepage statt zur Produktseite

Checken Sie Ihr Merchant Center wöchentlich auf Fehler und Warnings. Beheben Sie Fehler sofort – Google toleriert persistierende Fehler nicht lange.

Gebotsstrategien für E-Commerce

Die richtige Gebotsstrategie kann den Unterschied zwischen profitablen und unprofitablen Kampagnen machen.

Target ROAS

Target ROAS (Return on Ad Spend) ist die Standard-Strategie für E-Commerce. Sie geben Google ein Ziel-ROAS vor (z.B. 400%), und Google passt Gebote automatisch an, um dieses Ziel zu erreichen.

Wann Target ROAS nutzen?

  • Sie haben mindestens 30 Conversions in den letzten 30 Tagen
  • Conversion-Werte variieren deutlich (manche Käufe 20 EUR, andere 200 EUR)
  • Sie möchten Umsatz maximieren, nicht nur Conversion-Anzahl

Wie Target ROAS setzen? Schauen Sie sich Ihren aktuellen ROAS der letzten 30 Tage an. Ihr Ziel-ROAS sollte etwa 20-30% über Ihrem Break-Even-ROAS liegen.

Beispiel: Ihre Marge ist 40%. Break-Even-ROAS ist 250% (100 EUR Werbeausgaben / 40% Marge = 250 EUR benötigter Umsatz). Setzen Sie Target ROAS auf 300-350% für Profitabilität.

Starten Sie konservativ (höherer Target ROAS = niedrigere Gebote = weniger Traffic). Senken Sie schrittweise, wenn Performance stimmt.

Maximize Conversion Value

Ähnlich wie Target ROAS, aber ohne spezifisches Ziel. Google versucht einfach, den maximalen Conversion-Wert innerhalb Ihres Budgets zu erreichen.

Wann nutzen?

  • Sie haben ausreichend Budget
  • Sie möchten schnell skalieren
  • Ihr aktueller ROAS ist bereits gut, und Sie möchten mehr Traffic

Vorsicht: Maximize Conversion Value kann Budget sehr schnell ausgeben. Setzen Sie ein Tagesbudget-Limit, mit dem Sie komfortabel sind.

Nicht empfohlen für: Neue Kampagnen ohne historische Daten, sehr knappe Budgets.

Portfolio-Gebote für mehrere Kampagnen

Portfolio-Gebotsstrategien (früher "Shared Budgets") erlauben es, mehrere Kampagnen mit einer gemeinsamen Gebotsstrategie zu steuern.

Beispiel: Sie haben 5 Shopping-Kampagnen (verschiedene Produktkategorien) mit jeweiligem Target ROAS von 400%. Erstellen Sie eine Portfolio-Strategie mit 400% Target ROAS und weisen Sie alle 5 Kampagnen zu.

Vorteil: Google kann Budget zwischen Kampagnen verschieben. Wenn Kategorie A heute besser performt, bekommt sie mehr Budget. Morgen vielleicht Kategorie B.

Best Practice: Nutzen Sie Portfolio-Strategien nur für ähnliche Kampagnen (z.B. alle Shopping-Kampagnen, oder alle Such-Kampagnen). Mischen Sie nicht völlig unterschiedliche Kampagnentypen.

E-Commerce KPIs und Benchmarks

Welche Zahlen sind gut, welche schlecht? Hier sind realistische Benchmarks für E-Commerce.

ROAS nach Branche

Return on Ad Spend variiert stark nach E-Commerce-Branche:

  • Fashion/Mode: 300-600% (niedrige Margen, hohe Retourenquoten)
  • Elektronik: 400-700% (mittlere Margen, niedrige Retourenquoten)
  • Möbel/Einrichtung: 500-900% (hohe Warenkörbe, hohe Margen)
  • Sport/Outdoor: 400-650%
  • Beauty/Kosmetik: 350-600%
  • Lebensmittel: 400-800% (Repeat Business wichtig)
  • Schmuck: 500-1000% (sehr hohe Margen)

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte erfolgreicher Shops. Wenn Ihr ROAS deutlich niedriger ist, liegt es meist an einem dieser Faktoren:

  • Zu hohe CPCs (schlechte Keyword-/Produkt-Strategie)
  • Niedrige Conversion-Rate (Website-Probleme)
  • Schlechtes Tracking (Conversions werden nicht alle erfasst)
  • Zu frühe Phase (Kampagnen brauchen 2-4 Wochen zum Lernen)

Durchschnittliche CPCs

CPCs für Shopping-Kampagnen in Deutschland:

  • Fashion/Bekleidung: 0,30 - 0,70 EUR
  • Schuhe: 0,40 - 0,90 EUR
  • Elektronik: 0,50 - 1,30 EUR
  • Möbel: 0,60 - 1,50 EUR
  • Sport: 0,40 - 1,00 EUR
  • Beauty: 0,60 - 1,50 EUR
  • Spielzeug: 0,30 - 0,80 EUR
  • Schmuck: 0,80 - 2,50 EUR

Such-Kampagnen sind typischerweise 30-50% teurer als Shopping für die gleichen Produkte.

Wenn Ihre CPCs deutlich höher sind: Überprüfen Sie Quality Score, testen Sie andere Keywords, verbessern Sie Ihre Produktfeeds.

Conversion Rates

Durchschnittliche Conversion-Raten (Käufe / Klicks) für E-Commerce:

  • Google Shopping: 1,5 - 3,0%
  • Such-Kampagnen (Branded): 5,0 - 15%
  • Such-Kampagnen (Non-Branded): 0,8 - 2,5%
  • Performance Max: 1,2 - 2,8%
  • Display Remarketing: 0,5 - 2,0%
  • Cold Display: 0,1 - 0,5%

Mobile Conversion-Raten sind typischerweise 30-50% niedriger als Desktop. Aber: Mobile Traffic macht 60-70% aus, also nicht ignorieren!

Wenn Ihre Conversion-Raten unter diesen Benchmarks liegen, fokussieren Sie sich auf Website-Optimierung, nicht auf mehr Ad Spend.

Praxisbeispiel: Fashion E-Commerce

Lassen Sie uns eine konkrete Strategie durchgehen für einen mittelgroßen Fashion-Online-Shop.

Ausgangssituation:

  • Shop: Damen- und Herrenmode, 800 Produkte
  • Durchschnittlicher Warenkorbwert: 65 EUR
  • Marge: 35%
  • Budget: 2.000 EUR/Monat
  • Ziel: 450% ROAS (für Profitabilität)

Kampagnenstruktur:

  1. Shopping Standard - Damen (Budget: 600 EUR/Monat)

    • Anzeigengruppe: Oberteile
    • Anzeigengruppe: Hosen/Röcke
    • Anzeigengruppe: Kleider
    • Gebotsstrategie: Target ROAS 450%
  2. Shopping Standard - Herren (Budget: 500 EUR/Monat)

    • Anzeigengruppe: Oberteile
    • Anzeigengruppe: Hosen
    • Anzeigengruppe: Jacken
    • Gebotsstrategie: Target ROAS 450%
  3. Performance Max - Alle Produkte (Budget: 600 EUR/Monat)

    • Asset Group Damen
    • Asset Group Herren
    • Gebotsstrategie: Target ROAS 400% (etwas niedriger für mehr Volume)
  4. Search - Branded (Budget: 100 EUR/Monat)

    • Nur Markenname-Keywords
    • Manueller CPC, max. 0,30 EUR
  5. Remarketing - Display (Budget: 200 EUR/Monat)

    • Cart Abandoners (max. Gebote)
    • Product Viewers (mittlere Gebote)
    • General Visitors (niedrige Gebote)

Ergebnisse nach 3 Monaten:

  • Werbeausgaben: 6.000 EUR (3 Monate x 2.000 EUR)
  • Umsatz: 28.500 EUR
  • ROAS: 475%
  • Gewinn: 28.500 EUR x 35% Marge = 9.975 EUR
  • Abzüglich Werbekosten: 9.975 - 6.000 = 3.975 EUR Gewinn
  • ROI: 66% (3.975 / 6.000)

Key Learnings:

  • Performance Max brachte überraschend guten ROAS (490%), aber niedrigere Absolute Zahlen als Shopping Standard
  • Remarketing hatte beste Conversion-Rate (3,8%), aber begrenztes Volume
  • Herrenmode performte besser als erwartet (520% ROAS vs. 450% Damen)
  • → Mehr Budget in Herren und Performance Max verschoben im Monat 4

Dieses Beispiel zeigt: Starten Sie strukturiert, messen Sie alles, optimieren Sie basierend auf echten Daten.

Häufige Fehler vermeiden

Selbst erfahrene E-Commerce-Marketer machen diese Fehler. Vermeiden Sie sie von Anfang an.

Kein Conversion Tracking

Der häufigste und teuerste Fehler: Kampagnen starten ohne funktionierendes Conversion-Tracking. Sie geben Geld aus, wissen aber nicht, ob es funktioniert.

Minimum-Setup:

  • Google Ads Conversion-Tag auf Bestellbestätigungs-Seite
  • Dynamischer Conversion-Wert (Bestellwert wird übertragen)
  • Test-Bestellung durchführen vor Go-Live

Optimales Setup:

  • Enhanced Conversions (verbesserte Datenqualität)
  • Google Analytics 4 verknüpft
  • Cross-Device-Tracking aktiviert
  • Zusätzliche Mikro-Conversions (Add-to-Cart, Checkout-Start)

Ohne Tracking können automatische Gebotsstrategien nicht funktionieren. Sie verschwenden Budget garantiert.

Schlechter Produktfeed

Viele Shops laden einfach ihren Shop-Export zu Google Merchant Center hoch, ohne Optimierung. Das Ergebnis: Mittelmäßige Performance.

Investieren Sie Zeit in Feed-Optimierung:

  • Titel mit Keywords anreichern (nicht nur Produktname)
  • Hochwertige Bilder (mindestens 1200x1200px)
  • Alle optionalen Attribute ausfüllen (Farbe, Größe, Material, etc.)
  • Custom Labels für intelligente Segmentierung
  • Regelmäßige Updates (täglich oder mindestens wöchentlich)

Ein optimierter Feed kann CTR um 30-50% steigern und CPCs um 20-30% senken – ohne andere Änderungen.

Zu viele Kampagnen zu früh

Anfänger erstellen oft 15-20 Kampagnen vom Start weg. Das Problem: Jede Kampagne braucht ausreichend Daten zum Lernen. Mit kleinem Budget verteilen Sie Ihre Conversions auf zu viele Kampagnen.

Besser: Starten Sie mit 2-3 Kampagnen (z.B. eine Shopping Standard, eine Branded Search). Sobald diese profitabel laufen und Sie 100+ Conversions/Monat haben, expandieren Sie schrittweise.

Faustregel: Jede Kampagne sollte mindestens 15-20 Conversions pro Monat generieren für effektive Optimierung.

Häufige Fragen

Brauche ich Google Shopping oder reichen normale Suchanzeigen? Für E-Commerce ist Google Shopping Pflicht, nicht optional. Shopping-Anzeigen haben höhere CTRs, bessere Conversion-Raten und niedrigere CPCs als Such-Anzeigen für Produkt-Keywords. Starten Sie mit Shopping, ergänzen Sie mit Search.

Wie viel Budget brauche ich mindestens? Minimum 500 EUR/Monat für erste Ergebnisse bei kleinen Shops (unter 100 Produkte). 1.000-2.000 EUR/Monat für mittlere Shops (100-1000 Produkte). 3.000+ EUR/Monat für große Shops mit breitem Sortiment. Unter 500 EUR/Monat ist Google Ads für E-Commerce meist zu ineffizient.

Performance Max oder Standard Shopping? Starten Sie mit Standard Shopping zum Lernen. Wechseln Sie zu Performance Max (oder nutzen Sie beides parallel), sobald Sie 50+ Conversions pro Monat haben. PMax braucht ausreichend Daten für gute Performance.

Wie lange dauert es bis zu profitablen Kampagnen? Rechnen Sie mit 4-8 Wochen. Die ersten 2 Wochen sind Lernphase mit oft schlechteren Zahlen. Wochen 3-4 stabilisieren sich. Ab Woche 5-8 können Sie fundiert optimieren. Erwarten Sie keine Profitabilität in Woche 1.

Fazit

Google Ads für E-Commerce ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Die erfolgreichsten Shops starten strukturiert, messen alles akribisch und optimieren kontinuierlich basierend auf Daten.

Die Kernelemente erfolgreicher E-Commerce-Google-Ads-Strategien:

  1. Exzellenter Produktfeed (Foundation)
  2. Richtige Kampagnen-Kombination (Shopping + PMax + Search + Remarketing)
  3. Präzises Conversion-Tracking
  4. Datengetriebene Gebotsstrategien
  5. Kontinuierliche Optimierung

Beginnen Sie nicht mit allen Kampagnentypen gleichzeitig. Starten Sie mit Shopping Standard und Branded Search. Sobald diese profitabel laufen, erweitern Sie mit Performance Max. Dann fügen Sie Remarketing hinzu. Schließlich testen Sie zusätzliche Kanäle wie Non-Branded Search oder Display.

Und am wichtigsten: Messen Sie den richtigen Erfolg. ROAS ist die Haupt-KPI für E-Commerce, nicht Klicks oder Impressionen. Ein ROAS von 400-600% ist für die meisten Shops profitabel – abhängig von Ihrer Marge und Ihren Betriebskosten.

Wenn Sie unsicher sind, wie Sie Google Ads für Ihren spezifischen E-Commerce-Shop optimal aufsetzen, sprechen Sie mit unseren E-Commerce-Spezialisten. Wir haben dutzende Shops betreut und kennen die Herausforderungen und Chancen in verschiedenen Nischen. Kostenloses Erstgespräch vereinbaren.

Bereit, Ihre Google Ads zu optimieren?

Lassen Sie uns Ihre Kampagnen professionell betreuen. Transparente Preise, messbare Ergebnisse.

Kostenlose Beratung anfordern