Keyword Recherche für Google Ads: Schritt-für-Schritt Anleitung
Warum Keyword-Recherche so wichtig ist
Die Keyword-Recherche ist das Fundament jeder erfolgreichen Google Ads Kampagne. Ohne die richtigen Keywords erreichen Sie entweder die falsche Zielgruppe, zahlen zu viel pro Klick oder generieren gar keinen Traffic. Eine gründliche Recherche kann den Unterschied zwischen profitablen Kampagnen und Geldverschwendung bedeuten.
Professionelle Keyword-Recherche spart Ihnen nicht nur Geld, sondern multipliziert auch Ihre Ergebnisse. Unternehmen, die Zeit in gründliche Recherche investieren, berichten von 40-60% niedrigeren Kosten pro Conversion und 2-3x höheren Conversion-Raten im Vergleich zu denen, die mit ad-hoc Keywords starten.
Der Grund ist einfach: Die richtigen Keywords bringen die richtigen Menschen zu Ihnen – Menschen, die tatsächlich nach Ihrem Angebot suchen und bereit sind zu kaufen. Falsche Keywords bringen Ihnen Besucher, die nie konvertieren werden, egal wie gut Ihre Anzeigen oder Landingpages sind.
In diesem Artikel lernen Sie einen bewährten 7-Schritte-Prozess für professionelle Keyword-Recherche. Sie erhalten praktische Werkzeuge, eine Checkliste und ein durchgängiges Praxisbeispiel. Am Ende können Sie selbstständig eine vollständige Keyword-Strategie für Ihr Geschäft entwickeln.
Vorbereitung: Was Sie brauchen
Bevor Sie mit der eigentlichen Recherche beginnen, sollten Sie die richtigen Tools und Informationen bereithalten.
Tools für die Recherche
Das wichtigste Tool ist der Google Keyword Planner – kostenlos und direkt von Google. Er liefert Originaldaten zu Suchvolumen und Kosten. Lesen Sie unsere detaillierte Keyword Planner Anleitung, wenn Sie das Tool noch nicht kennen.
Ergänzend nützlich sind:
- Google Trends (trends.google.com): Zeigt saisonale Schwankungen und regionale Unterschiede
- AnswerThePublic (answerthepublic.com): Findet Frage-Keywords
- Ihr Suchbegriffsbericht: Falls Sie bereits Kampagnen haben, ist Ihr eigener Suchbegriffsbericht Gold wert
- Excel oder Google Sheets: Zur Organisation Ihrer Keyword-Listen
Optional, aber hilfreich bei größeren Budgets:
- SEMrush, Ahrefs oder Sistrix für Wettbewerber-Analyse
- Keyword-Clustering-Tools für große Keyword-Listen
Sie müssen nicht alle Tools haben. Für den Anfang reichen Keyword Planner + Excel völlig aus. Investieren Sie Zeit statt Geld.
Informationen über Ihr Geschäft sammeln
Effektive Keyword-Recherche beginnt nicht am Computer, sondern mit dem Verständnis Ihres Geschäfts.
Was genau bieten Sie an? Listen Sie alle Produkte, Dienstleistungen und Varianten auf. Ein Handwerker bietet vielleicht: Elektroinstallationen, Sanitär, Renovierungen, Notdienst, Badsanierung, Heizung. Jeder Service braucht eigene Keywords.
Wer sind Ihre Kunden? B2B oder B2C? Alter? Einkommensniveau? Ein Luxus-Hochzeitsplaner und ein Budget-Hochzeitsservice nutzen völlig verschiedene Keywords. "Exklusive Hochzeitsplanung" vs. "günstige Hochzeit organisieren".
Wie suchen Ihre Kunden? Sprechen Sie mit Ihrem Verkaufsteam oder Kundenservice. Welche Begriffe nutzen Kunden am Telefon? "Ich brauche einen Klempner" oder "Rohrbruch Notdienst" oder "Wasserschaden Hilfe"? Die echte Kundensprache ist wertvoller als Marketing-Jargon.
Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal? 24h-Service? Regional? Premium-Qualität? Günstigster Preis? Ihre USPs sollten sich in Ihren Keywords widerspiegeln: "24h notdienst", "münchen", "premium", "günstig".
Was ist Ihr geografisches Gebiet? Lokal (eine Stadt), regional (Bundesland), bundesweit oder international? Das beeinflusst massiv Ihre Keywords. Ein lokaler Handwerker braucht "handwerker münchen", kein generisches "handwerker".
Erstellen Sie ein einseitiges Dokument mit diesen Informationen, bevor Sie die Recherche starten. Es wird Ihr Kompass sein.
Schritt 1: Brainstorming
Der erste Schritt ist klassisches Brainstorming – schreiben Sie auf, was Ihnen spontan einfällt, ohne zu filtern.
Seed Keywords definieren
Seed Keywords (auch: Ausgangskeywords) sind die 5-15 grundlegenden Begriffe, die Ihr Geschäft beschreiben. Sie sind der Ausgangspunkt, aus dem Sie hunderte weitere Keywords generieren.
Fragen Sie sich: "Wenn ich nur 10 Wörter hätte, um zu beschreiben, was ich verkaufe – welche wären das?"
Beispiele nach Branche:
Handwerker:
- handwerker
- elektriker
- sanitär
- renovierung
- notdienst
- klempner
- reparatur
Online-Shop (Sportschuhe):
- laufschuhe
- sportschuhe
- sneaker
- trainingsschuhe
- joggingschuhe
- running schuhe
Steuerberater:
- steuerberater
- steuererklärung
- buchhaltung
- jahresabschluss
- steuerberatung
- finanzamt
Hochzeitsplaner:
- hochzeitsplaner
- hochzeit organisieren
- wedding planner
- hochzeitsplanung
- hochzeitsservice
Halten Sie sich bei 5-15 Seeds. Mehr brauchen Sie nicht – im nächsten Schritt explodiert die Liste ohnehin. Vermeiden Sie zu spezifische Begriffe ("24h-notdienst-elektriker-münchen-schwabing") – die kommen später.
Produkte und Services auflisten
Jetzt werden Sie spezifischer. Listen Sie ALLE Ihre Angebote detailliert auf.
Ein Möbelhaus könnte haben:
- Sofas (Ledersofa, Stoffsofa, Ecksofa, Schlafsofa)
- Tische (Esstisch, Couchtisch, Schreibtisch)
- Betten (Doppelbett, Einzelbett, Boxspringbett)
- Schränke (Kleiderschrank, Schuhschrank, Vitrine)
- Stühle (Esszimmerstuhl, Bürostuhl, Barhocker)
Jede Kategorie und Unterkategorie wird zu einem Keyword-Cluster. "Sofa" generiert Keywords wie "sofa kaufen", "ledersofa günstig", "ecksofa grau", "sofa 3-sitzer".
Ein Dienstleister macht dasselbe mit Services:
Zahnarzt:
- Prophylaxe (Zahnreinigung, Vorsorge, Zahnsteinentfernung)
- Behandlungen (Kariesbehandlung, Wurzelbehandlung, Zahnfüllung)
- Ästhetik (Bleaching, Veneers, Zahnschmuck)
- Ersatz (Implantate, Kronen, Brücken, Prothesen)
- Kieferorthopädie (Zahnspange, Aligner, Brackets)
Erstellen Sie eine hierarchische Liste: Hauptkategorie → Unterkategorie → Spezifische Services/Produkte. Diese Struktur wird später zu Ihren Kampagnen und Anzeigengruppen.
Kundensprache verstehen
Ihre interne Terminologie ist nicht unbedingt das, was Kunden suchen. Der größte Fehler in der Keyword-Recherche ist, Fachbegriffe zu nutzen, die Kunden nicht kennen.
Hören Sie zu: Aufzeichnungen von Verkaufsgesprächen, E-Mails von Kunden, Kommentare in Social Media. Welche Wörter nutzen SIE? Ein Zahnarzt sagt "Zahnprophylaxe", aber Kunden suchen "Zähne reinigen lassen".
Fragen Sie: Führen Sie eine kleine Umfrage unter 10-20 Bestandskunden: "Wonach haben Sie gesucht, bevor Sie uns gefunden haben?" Die Antworten sind oft überraschend.
Verschiedene Bildungsniveaus: Ihr Produkt wird von verschiedenen Menschen unterschiedlich benannt:
- Fachleute: "photovoltaik anlage", "pv-system"
- Normal: "solaranlage", "solar panels"
- Einsteiger: "strom aus sonne", "eigener strom"
Decken Sie alle Ebenen ab. Vergessen Sie nicht regionale Unterschiede: "Schreiner" (Süddeutschland) vs. "Tischler" (Norddeutschland), "Sonnabend" vs. "Samstag".
Schritt 2: Keyword Planner nutzen
Jetzt nehmen Sie Ihre Seeds und füttern den Keyword Planner damit.
Keyword-Ideen generieren
Öffnen Sie den Keyword Planner (Tools → Planung → Keyword-Planer → Neue Keywords entdecken). Geben Sie Ihre 5-15 Seed-Keywords ein, getrennt durch Komma oder neue Zeile.
Wichtig: Überprüfen Sie vor dem Klick auf "Ergebnisse abrufen":
- Standort: Deutschland (oder Ihre Zielregion, z.B. "München, Deutschland" für lokale Geschäfte)
- Sprache: Deutsch
- Suchmaschine: Google (Standard)
Nach wenigen Sekunden erhalten Sie eine Tabelle mit Keyword-Vorschlägen. Google zeigt Ihnen verwandte Begriffe, die thematisch passen. Bei "handwerker" könnten das sein: "elektriker", "sanitär", "handwerker notdienst", "renovierung", "handwerksbetrieb" etc.
Nutzen Sie auch die URL-Funktion: Geben Sie Ihre eigene Website oder die eines Konkurrenten ein. Google analysiert den Inhalt und schlägt passende Keywords vor. Besonders wertvoll für Konkurrenz-Analyse.
Pro-Tipp: Führen Sie mehrere Suchen durch, nicht eine große. Suche 1 mit allgemeinen Seeds ("handwerker", "elektriker"), Suche 2 mit Service-spezifischen Begriffen ("notdienst", "installation"), Suche 3 mit regionalen Begriffen ("münchen", "bayern"). Verschiedene Seeds produzieren verschiedene Vorschläge.
Suchvolumen analysieren
Die Keyword-Liste zeigt mehrere wichtige Spalten. Konzentrieren Sie sich auf diese:
Durchschnittliche Suchanfragen pro Monat: Ihr Hauptkriterium. Keywords unter 50 Suchen/Monat sind oft zu nischig (außer in sehr spezialisierten B2B-Bereichen). Keywords über 10.000 Suchen/Monat sind meist sehr wettbewerbsintensiv und generisch.
Der Sweet Spot für die meisten Geschäfte: 100-5.000 Suchen/Monat. Genug Volumen für Traffic, aber nicht so viel, dass Sie gegen Amazon und große Konzerne antreten.
Achtung Saisonalität: Das angezeigte Volumen ist ein 12-Monats-Durchschnitt. Klicken Sie auf ein Keyword und prüfen Sie das Diagramm. "Schneeschieber" zeigt vielleicht 1.000 Suchen/Monat durchschnittlich, aber 8.000 im Dezember und 0 im Juli. Für saisonale Geschäfte ist das entscheidend.
Wettbewerb: "Niedrig", "Mittel", "Hoch" bezieht sich auf Google Ads, nicht SEO. "Hoch" bedeutet: Viele Werbetreibende bieten darauf. Meist korreliert das mit höheren Kosten, aber nicht immer. Ein Keyword mit hohem Wettbewerb kann trotzdem günstig sein, wenn Sie einen guten Qualitätsfaktor haben.
Gebot (Top-of-Page): Die Spannen zeigen, was andere zahlen. Bei "0,50€ - 2,00€" können Sie mit etwa 1,00-1,50€ CPC rechnen (abhängig von Ihrem Qualitätsfaktor). Diese Zahlen nutzen Sie später für Budgetplanung.
Erste Auswahl treffen
Sie haben jetzt vermutlich 200-1.000 Keyword-Vorschläge. Zeit zum Filtern.
Nutzen Sie die Filter-Funktion (oben rechts "Filter hinzufügen"):
Filter 1 - Mindestsuchvolumen: Setzen Sie auf mindestens 50 oder 100 Suchen/Monat. Zu niedrige Volumen bringen kaum Traffic.
Filter 2 - CPC-Limite: Wenn Sie wissen, dass Sie maximal 3€ pro Klick zahlen können, filtern Sie alle Keywords mit höheren Geboten aus. Seien Sie aber nicht zu streng – Ihre tatsächlichen Kosten können niedriger sein.
Filter 3 - Text-Filter: Nutzen Sie "Keyword-Text" → "Enthält nicht", um offensichtlich irrelevante Begriffe auszuschließen. Ein B2B-Softwareanbieter könnte ausschließen: "kostenlos", "gratis", "privat", "für zuhause".
Oder umgekehrt "Enthält", um spezifische Begriffe zu isolieren. Ein Münchner Handwerker filtert auf "enthält münchen", um alle lokalen Varianten zu sehen.
Nach Filterung scannen Sie die Liste: Häkchen Sie alle Keywords an, die relevant für Ihr Geschäft sind. Fragen Sie sich bei jedem: "Würde jemand, der das sucht, je mein Kunde werden?"
"Handwerker ausbildung" ist für einen Handwerksbetrieb irrelevant (außer Sie bieten Ausbildungen an). "Handwerker münchen kosten" ist relevant – jemand, der nach Kosten fragt, plant einen Auftrag.
Markieren Sie großzügig. Lieber 100 Keywords zu viel, die Sie später aussortieren, als 50 profitable Keywords zu verpassen. Alle markierten Keywords landen in Ihrem "Plan" (eine Art Warenkorb).
Schritt 3: Konkurrenz analysieren
Ihre Wettbewerber haben bereits Zeit und Geld in Keyword-Tests investiert. Nutzen Sie diese Erkenntnisse.
Wettbewerber-Keywords finden
Im Keyword Planner: Nutzen Sie die "Website"-Option unter "Neue Keywords entdecken". Geben Sie die URL eines Hauptkonkurrenten ein (z.B. "www.konkurrent.de/leistungen" oder die Startseite). Google scannt die Seite und schlägt thematisch passende Keywords vor.
Wiederholen Sie das für 3-5 Top-Konkurrenten. Exportieren Sie jedes Ergebnis als CSV und vergleichen Sie die Listen. Keywords, die bei mehreren Konkurrenten auftauchen, sind vermutlich wichtig für Ihre Branche.
Manuelle Analyse: Googeln Sie Ihre Top-Keywords und notieren Sie, wer in den Anzeigen erscheint. Schauen Sie sich deren Anzeigentexte genau an – welche Keywords werden im Titel erwähnt? Das sind vermutlich ihre Fokus-Keywords.
Klicken Sie auf die Anzeigen und analysieren Sie die Landingpages. Welche Begriffe werden häufig wiederholt? Welche Überschriften nutzen sie? Diese Begriffe sind Keyword-Kandidaten.
Premium-Tools (optional): Tools wie SEMrush oder Sistrix zeigen Ihnen direkt, auf welche Keywords Konkurrenten bieten, wie viel Budget sie investieren und welche Anzeigentexte sie nutzen. Das ist sehr mächtig, kostet aber 100€+/Monat. Für Einsteiger ist die manuelle Analyse ausreichend.
Lücken und Chancen identifizieren
Konkurrenz-Analyse dient zwei Zwecken: Lernen und Differenzieren.
Lernen: Keywords, die alle Konkurrenten nutzen, sind vermutlich profitabel. Wenn 5 von 5 Top-Konkurrenten auf "handwerker notdienst münchen" bieten, ist das ein Signal, dass sich dieses Keyword lohnt.
Differenzieren: Aber noch wichtiger sind die Lücken. Welche Keywords nutzen Konkurrenten NICHT? Dort haben Sie Chancen mit weniger Wettbewerb und günstigeren Kosten.
Ein Beispiel: Alle Handwerker-Konkurrenten fokussieren auf "notdienst" und "günstig", aber niemand bedient "ökologische renovierung münchen" oder "barrierefreier umbau". Wenn das zu Ihrem Angebot passt, haben Sie eine Nische mit wenig Wettbewerb gefunden.
Oder geografisch: Konkurrenten konzentrieren sich auf "München", aber niemand optimiert für die Stadtteile ("handwerker schwabing", "elektriker haidhausen"). Lokale Long-Tail-Keywords sind oft günstiger und konvertieren besser.
Erstellen Sie eine Liste "Konkurrenz-Keywords" (alle nutzen) und "Lücken-Keywords" (niemand nutzt, aber relevant). Die erste Liste ist Ihr Muss, die zweite Ihre Chance zur Differenzierung.
Schritt 4: Intent verstehen
Nicht alle Keywords sind gleich wertvoll. Der "Search Intent" (Suchintention) entscheidet, wie wahrscheinlich eine Conversion ist.
Informational vs. Commercial vs. Transactional
Keywords lassen sich in drei Haupt-Intents einteilen:
Informational (Informationssuche): Nutzer suchen Wissen, nicht Produkte. Sie sind am Anfang der Customer Journey.
Beispiele:
- "was kostet eine renovierung"
- "wie finde ich einen guten handwerker"
- "elektriker ausbildung"
- "unterschied sanitär heizung"
Diese Keywords haben niedrige Conversion-Raten (oft <1%), sind aber günstig. Sie eignen sich für TOFU (Top of Funnel) Kampagnen zum Aufbau von Bekanntheit oder für Content-Marketing, nicht für direkte ROI-Kampagnen.
Commercial Investigation (Vergleichssuche): Nutzer planen einen Kauf und vergleichen Optionen. Sie sind in der Mitte der Journey.
Beispiele:
- "bester handwerker münchen"
- "handwerker vergleich"
- "elektriker bewertung"
- "handwerker kosten pro stunde"
Diese Keywords konvertieren besser (2-5%) und sind etwas teurer. Ideal für die meisten Ads-Kampagnen, besonders mit Anzeigen, die Trust-Signale betonen (Bewertungen, Zertifikate).
Transactional (Kaufabsicht): Nutzer sind kaufbereit. Sie wissen was sie wollen und suchen einen Anbieter. Ende der Journey.
Beispiele:
- "handwerker münchen buchen"
- "notdienst elektriker jetzt"
- "termin sanitär installation"
- "angebot renovierung einholen"
Diese Keywords haben die höchsten Conversion-Raten (5-15%), sind aber am teuersten. Sie sollten Priorität bekommen und höhere Gebote erhalten.
Keywords nach Intent sortieren
Gehen Sie Ihre Keyword-Liste durch und taggen Sie jedes Keyword mit seinem Intent. Fügen Sie in Excel eine Spalte "Intent" hinzu und schreiben Sie "Info", "Commercial" oder "Transactional".
Signalwörter für Transactional Intent:
- kaufen, bestellen, buchen, anfragen
- jetzt, sofort, heute, 24h
- günstig, billig, angebot, preis
- in meiner nähe, notdienst, schnell
Signalwörter für Informational Intent:
- was ist, wie, warum, anleitung
- tipps, ratgeber, erfahrung, test
- unterschied, vergleich, vs
- lernen, ausbildung, studium
Alles ohne klare Signalwörter ist meist Commercial Investigation: "handwerker münchen", "elektriker", "badsanierung".
Intent und Funnel-Stufe zuordnen
Verknüpfen Sie Intent mit Marketing-Funnel-Stufen:
TOFU (Top of Funnel) = Informational Ziel: Bekanntheit, Traffic, Leads Budget-Anteil: 10-20% Gebote: Niedrig Landingpages: Blog-Artikel, Ratgeber, kostenloses E-Book
MOFU (Middle of Funnel) = Commercial Investigation Ziel: Engagement, Lead-Nurturing Budget-Anteil: 30-40% Gebote: Mittel Landingpages: Vergleichsseiten, Testimonials, kostenlose Beratung
BOFU (Bottom of Funnel) = Transactional Ziel: Conversions, Sales Budget-Anteil: 40-60% Gebote: Hoch Landingpages: Produkt-/Service-Seiten, Buchungsformular, Angebots-Anfrage
Für die meisten ROI-fokussierten Kampagnen sollten 60-80% Ihres Budgets auf BOFU-Keywords gehen. Sie konvertieren am besten und rechtfertigen höhere CPCs.
Schritt 5: Keywords gruppieren
Eine unstrukturierte Keyword-Liste ist wertlos. Organisation ist der Schlüssel zu relevanten Anzeigen und hohen Qualitätsfaktoren.
Thematische Cluster bilden
Gruppieren Sie Keywords nach Themen. Jedes Thema wird später zu einer Anzeigengruppe.
Das Prinzip: Keywords in einer Gruppe müssen so ähnlich sein, dass Sie eine gemeinsame Anzeige schreiben können, die für ALLE relevant ist.
Beispiel Handwerker:
Anzeigengruppe 1: "Elektriker München"
- elektriker münchen
- elektriker münchen notdienst
- elektroinstallation münchen
- elektrische reparatur münchen
- stromausfall münchen
Anzeigengruppe 2: "Sanitär München"
- sanitär münchen
- klempner münchen
- rohrreinigung münchen
- rohrbruch münchen
- sanitärinstallation münchen
Anzeigengruppe 3: "Notdienst 24h"
- notdienst handwerker münchen
- handwerker 24h münchen
- handwerker notdienst wochenende
- dringender handwerker münchen
Beispiel E-Commerce (Sportschuhe):
Anzeigengruppe 1: "Laufschuhe Damen"
- laufschuhe damen
- joggingschuhe damen
- damen laufschuhe
- running schuhe damen
Anzeigengruppe 2: "Laufschuhe Herren"
- laufschuhe herren
- joggingschuhe herren
- herren laufschuhe
- running schuhe herren
Anzeigengruppe 3: "Laufschuhe Marken"
- nike laufschuhe
- adidas running schuhe
- asics laufschuhe
Jede Gruppe 5-20 Keywords. Weniger als 5 ist zu einschränkend, mehr als 20 erschwert relevante Anzeigen.
Anzeigengruppen vorbereiten
Ihre Keyword-Struktur sollte die spätere Kampagnenstruktur widerspiegeln.
Hierarchie: Kampagne → Anzeigengruppen → Keywords
Kampagnen gruppieren nach grundlegenden Unterschieden:
- Brand vs. Generic
- Produkt A vs. Produkt B vs. Produkt C
- Regionen (München vs. Berlin vs. Hamburg)
- Funnel-Stufe (TOFU vs. MOFU vs. BOFU)
Anzeigengruppen gruppieren innerhalb der Kampagne nach engen Themen (siehe oben).
Erstellen Sie in Excel eine Struktur:
| Kampagne | Anzeigengruppe | Keyword | Suchvolumen | CPC | Match Type | Priorität | |----------|----------------|---------|-------------|-----|------------|-----------| | Handwerk Generic | Elektriker München | elektriker münchen | 1.200 | 3,50€ | Phrase | Hoch | | Handwerk Generic | Elektriker München | elektriker münchen notdienst | 320 | 4,20€ | Phrase | Hoch | | Handwerk Generic | Sanitär München | sanitär münchen | 880 | 3,20€ | Phrase | Mittel |
Diese Tabelle ist Ihr Blueprint für die Kampagnen-Erstellung in Google Ads. Sie können sie später direkt hochladen statt alles manuell einzugeben.
Schritt 6: Negative Keywords definieren
Genauso wichtig wie die richtigen Keywords zu finden, ist es, die falschen auszuschließen.
Offensichtliche Ausschlüsse
Starten Sie mit einer Basis-Liste negativer Keywords, die für fast jedes Geschäft gelten:
Universelle Negatives:
- kostenlos, gratis, free, umsonst
- download, pdf, torrent
- jobs, job, karriere, stellenangebote, ausbildung, studium, praktikum
- gehalt, verdienst, einkommen
- gebraucht, second hand (wenn Sie nur Neues verkaufen)
- selber machen, diy, anleitung, selbst (wenn Sie Dienstleistungen verkaufen)
- wiki, wikipedia, definition, bedeutung
- bilder, fotos, wallpaper, clipart
Erstellen Sie diese Liste bereits VOR dem Kampagnenstart. In Google Ads: Tools → Gemeinsam genutzte Bibliothek → Negative Keyword-Listen → + → Liste erstellen.
Geografische Negatives: Wenn Sie nur in München tätig sind, schließen Sie andere Städte aus:
- berlin, hamburg, köln, frankfurt, stuttgart, düsseldorf, dortmund, essen, leipzig, dresden, nürnberg, hannover, etc.
Listen Sie die 20-30 größten deutschen Städte auf, die außerhalb Ihres Servicegebiets liegen.
Branchen-spezifische Negatives
Jede Branche hat spezifische irrelevante Begriffe:
E-Commerce (wenn nur Neuware):
- gebraucht, second hand, used
- mieten, leihen, ausleihen
- reparieren, reparatur
- ersatzteile, zubehör (wenn Sie das nicht verkaufen)
Dienstleister:
- selber, selbst, diy
- anleitung, tipps, wie
- werkzeug, material (wenn Sie nur Dienstleistung, nicht Material verkaufen)
B2B (wenn nur B2B, kein B2C):
- privat, für zuhause, für den garten
- günstig, billig, discount
- klein, mini
Hochpreisig/Premium:
- günstig, billig, discount, schnäppchen
- unter X€ (wenn Ihr Produkt über diesem Preis liegt)
Lokale Dienstleister:
- online, internet, webseite
- software, app, digital (wenn Sie offline-Dienstleistungen anbieten)
Erstellen Sie eine zweite Negativ-Liste speziell für Ihre Branche und wenden Sie beide Listen auf alle Kampagnen an.
Schritt 7: Priorisieren und Planen
Sie haben jetzt vermutlich 100-500 Keywords. Nicht alle sind gleich wichtig. Zeit zum Priorisieren.
Keywords nach Potenzial bewerten
Erstellen Sie ein Scoring-System mit mehreren Kriterien:
Suchvolumen (0-3 Punkte):
- 0 Punkte: <50 Suchen/Monat
- 1 Punkt: 50-200 Suchen/Monat
- 2 Punkte: 200-1.000 Suchen/Monat
- 3 Punkte: >1.000 Suchen/Monat
Intent (0-3 Punkte):
- 1 Punkt: Informational
- 2 Punkte: Commercial
- 3 Punkte: Transactional
Wettbewerb (0-3 Punkte):
- 3 Punkte: Niedrig
- 2 Punkte: Mittel
- 1 Punkt: Hoch
Relevanz (0-3 Punkte): Subjektive Einschätzung: Wie gut passt das Keyword zu Ihrem Angebot?
- 3 Punkte: Perfekt (Kern-Angebot)
- 2 Punkte: Gut (verwandtes Angebot)
- 1 Punkt: Okay (entfernt relevant)
CPC vs. Budget (0-3 Punkte): Können Sie sich das Keyword leisten?
- 3 Punkte: CPC deutlich unter Budget (z.B. 1€ CPC bei 3€ Budget)
- 2 Punkte: CPC im Budget (z.B. 2€ CPC bei 3€ Budget)
- 1 Punkt: CPC am Budget-Limit (z.B. 2,80€ CPC bei 3€ Budget)
- 0 Punkte: CPC über Budget
Addieren Sie die Punkte für jedes Keyword. Maximum: 15 Punkte, Minimum: 0 Punkte.
Prioritäten zuweisen:
- 12-15 Punkte: P1 - Hoch (starten Sie sofort damit)
- 8-11 Punkte: P2 - Mittel (zweite Welle, nach 2-4 Wochen)
- 4-7 Punkte: P3 - Niedrig (experimentell, wenn Budget übrig)
- 0-3 Punkte: Aussortieren (nicht lohnenswert)
Implementierungsreihenfolge festlegen
Nicht alle Keywords gleichzeitig live nehmen. Ein schrittweiser Rollout ist besser kontrollierbar.
Phase 1 (Woche 1-2): Top-Performer Starten Sie mit Ihren P1-Keywords (12-15 Punkte). Das sind typischerweise 20-50 Keywords mit hohem Volumen, klarem Intent und guter Relevanz. Investieren Sie 60-70% Ihres Budgets hier.
Focus: Transactional Keywords mit Marken- oder Service-Bezug. "Handwerker münchen buchen", "elektriker notdienst", Ihr Firmenname.
Phase 2 (Woche 3-4): Expansion Fügen Sie P2-Keywords hinzu (8-11 Punkte). Weitere 50-100 Keywords mit mittlerem Potenzial. 20-30% Budget.
Focus: Commercial Investigation Keywords, Long-Tail-Varianten. "Handwerker münchen kosten", "guter elektriker empfehlung".
Phase 3 (Monat 2-3): Experimente Testen Sie P3-Keywords (4-7 Punkte) und neue Ideen aus dem Suchbegriffsbericht. 10-20% Budget.
Focus: Informational Keywords, Nischen-Themen, geografische Expansionen.
Laufende Optimierung: Nach 4 Wochen analysieren Sie Performance. Keywords, die besser performen als erwartet, bekommen höhere Gebote und mehr Budget. Keywords, die enttäuschen, werden pausiert oder Gebote gesenkt.
Der Suchbegriffsbericht zeigt Ihnen neue profitable Begriffe, die Sie nie recherchiert hätten – fügen Sie diese laufend hinzu.
Praxis-Beispiel: Keyword-Recherche für einen Handwerker
Lassen Sie uns den kompletten Prozess an einem realen Beispiel durchgehen: Ein Handwerksbetrieb in München mit Schwerpunkt Elektro- und Sanitärarbeiten.
Ausgangslage:
- Firma: Müller Handwerk GmbH
- Standort: München, Service-Radius 30km
- Services: Elektroinstallationen, Sanitär, Notdienst 24/7
- Zielgruppe: Privatpersonen und kleine Unternehmen
- Budget: 1.500€/Monat
- Ziel: Anfragen für Aufträge
Schritt 1 - Brainstorming: Seeds: handwerker münchen, elektriker münchen, sanitär münchen, notdienst, klempner, installation, reparatur
Produkte/Services: Elektro (Installation, Reparatur, Prüfung), Sanitär (Rohrbruch, Installation, Wartung), Notdienst (24h, Wochenende)
Kundensprache (aus Telefonaten): "Sicherung raus", "Rohr platzt", "brauche dringend", "wie schnell können Sie"
Schritt 2 - Keyword Planner: Input: "handwerker münchen", "elektriker münchen", "sanitär münchen" Filter: Standort München, Deutsch, min. 50 Suchen/Monat
Ergebnisse (Auszug):
- elektriker münchen: 1.200 Suchen, 3,50€ CPC
- sanitär münchen: 880 Suchen, 3,20€ CPC
- handwerker münchen: 720 Suchen, 2,80€ CPC
- notdienst elektriker münchen: 320 Suchen, 4,20€ CPC
- rohrreinigung münchen: 480 Suchen, 3,80€ CPC
Schritt 3 - Konkurrenz: Analyse von 3 lokalen Konkurrenten zeigt: Alle fokussieren auf "notdienst" und "günstig". Niemand nutzt "zertifizierter elektriker" oder "meisterbetrieb". → Differenzierungschance über Qualität statt Preis.
Schritt 4 - Intent: Transactional: "elektriker münchen beauftragen", "notdienst jetzt", "termin elektriker" Commercial: "elektriker münchen empfehlung", "handwerker kosten", "bewertung" Informational: "elektriker kosten pro stunde", "was macht ein elektriker"
Focus auf Transactional (60% Budget) und Commercial (30%).
Schritt 5 - Gruppierung: Kampagne: "Handwerk München"
AG1: Elektriker München (12 Keywords) AG2: Sanitär München (10 Keywords) AG3: Notdienst 24h (8 Keywords) AG4: Brand (Firmenname) (3 Keywords)
Schritt 6 - Negative Keywords: Basis-Liste: kostenlos, gratis, jobs, ausbildung, selber machen, diy, werkzeug kaufen, material, gebraucht Geo-Ausschlüsse: berlin, hamburg, köln, frankfurt (und 15 weitere Städte) Branchen-spezifisch: ehrenamt (kam im Planner), verein, privat
Schritt 7 - Priorisierung: P1 (sofort starten): 25 Keywords mit klarem Intent, 1.000€ Budget
- elektriker münchen (Phrase)
- notdienst elektriker münchen (Phrase)
- sanitär münchen (Phrase)
- [firmenname] (Exact)
- etc.
P2 (nach 2 Wochen): 30 Keywords, 300€ Budget
- elektriker münchen empfehlung
- handwerker münchen bewertung
- etc.
P3 (experimentell): 200€ Budget für Tests
- Stadtteile (elektriker schwabing)
- Informational (elektriker kosten)
Ergebnis nach 6 Wochen: Mit dieser strukturierten Recherche startet der Handwerker mit 25 hochrelevanten Keywords, klarer Struktur und 70% des Budgets auf profitablen Transactional Keywords. Die Negativlisten verhindern Budget-Verschwendung von Tag 1 an.
Häufige Fragen
Wie viele Keywords sollte ich recherchieren? Für den Start: 50-100 Keywords reichen völlig. Lieber 50 hochrelevante Keywords als 500 mittelmäßige. Sie können immer erweitern basierend auf Performance-Daten. Etablierte Kampagnen haben oft 200-500 Keywords.
Wie lange dauert eine gründliche Keyword-Recherche? Für ein kleines Geschäft: 4-6 Stunden. Für einen mittelgroßen E-Commerce mit vielen Produktkategorien: 2-3 Tage. Nehmen Sie sich die Zeit – eine Stunde mehr Recherche spart Ihnen Wochen schlechter Performance und hunderte Euro verschwendetes Budget.
Sollte ich auf Marken-Keywords von Wettbewerbern bieten? Das ist rechtlich in Deutschland erlaubt (die Marke darf nicht im Anzeigentext erscheinen, aber als Keyword gebucht werden). Strategisch ist es riskant: Sehr teuer, niedrige Conversion-Rate, kann rechtliche Auseinandersetzungen provozieren. Fokussieren Sie sich lieber auf Generic- und eigene Brand-Keywords.
Was mache ich, wenn meine Keywords zu teuer sind? Drei Optionen: 1) Fokussieren Sie sich auf Long-Tail-Keywords (spezifischer, günstiger). 2) Verbessern Sie Ihren Qualitätsfaktor durch relevantere Anzeigen und Landingpages (senkt CPC). 3) Weichen Sie auf verwandte, günstigere Keywords aus statt die teuersten zu bekämpfen.
Wie oft sollte ich meine Keyword-Recherche aktualisieren? Die initiale Recherche ist umfangreich. Danach: Alle 3 Monate einen Check. Analysieren Sie monatlich Ihren Suchbegriffsbericht – dort finden Sie laufend neue Keyword-Ideen. Saisonale Geschäfte sollten vor jeder Saison neu recherchieren.
Fazit und Template Download
Professionelle Keyword-Recherche ist kein Hexenwerk, aber sie erfordert System. Mit dem 7-Schritte-Prozess aus diesem Artikel haben Sie einen bewährten Workflow: Brainstorming → Keyword Planner → Konkurrenz-Analyse → Intent-Verständnis → Gruppierung → Negative Keywords → Priorisierung.
Die Investition von 4-6 Stunden in gründliche Recherche zahlt sich mehrfach aus: Niedrigere Klickkosten, höhere Conversion-Raten und besserer ROI. Sie vermeiden die typischen Anfängerfehler – zu generische Keywords, fehlende Negatives, unstrukturierte Listen – die Tausende Euro kosten können.
Nutzen Sie unser kostenloses Keyword-Recherche-Template (Google Sheets) mit vorgefertigten Spalten für Suchvolumen, CPC, Intent, Priorität und Gruppierung. Es beschleunigt Ihre Arbeit und stellt sicher, dass Sie nichts vergessen.
Ihre nächsten Schritte: Folgen Sie unserer detaillierten Keyword Planner Anleitung, um das Tool zu meistern. Lernen Sie die Keyword-Strategie Grundlagen für den größeren Kontext. Und entdecken Sie, wie Long-Tail Keywords Ihre Kosten senken und Conversions steigern können.
Keyword-Recherche ist der Startpunkt jeder erfolgreichen Google Ads Kampagne. Mit den richtigen Keywords legen Sie das Fundament für profitablen, skalierbaren Erfolg. Beginnen Sie heute – Ihre Konkurrenz wartet nicht.
Letzte Aktualisierung: Januar 2026 Autor: Google Ads Experten-Team